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Michael, Duc, Atelier Classic Bar, Thun

Wieso habe ich es nie probiert?

Unsere Personalities rücken Barkeeperinnen und Barkeeper aus unseren Lieblingsbars in den Fokus. Dieses Mal Michael Duc, der als Barkeeper in der Atelier Classic Bar in Thun mixt. Wir trafen ihn zum Gespräch über das Leben hinter der Barkulisse, den Wettbewerbsgeist und den eigenen Honigwein.

 

DRINKS: Wie bist du an die Bar gekommen?

Michael Duc (MD): Nach Abschluss des Gymnasiums machte ich ein Zwischenjahr mit Militärdienst und etwas Zeit für mich. Als ich mich in dieser Phase auf das Studium vorbereitete, kam mir der Gedanke: „Wieso nicht einen Barkeeper Kurs machen, damit ich einen Job neben der Uni als Barkeeper kriegen kann, um ein wenig Geld zu verdienen?“ Da ich zu dem Zeitpunkt bereits sehr investiert in die Kreation von Cocktails war, entschloss ich mich, diesen Kurs an der European Bartenders School in Kos in Griechenland zu absolvieren. Vier Wochen später begab ich mich in meiner Heimatstadt Thun auf die Suche nach einem Job. Ich fand die Atelier Classic Bar, bei der ich mich im Juli 2022 bewarb. Seitdem arbeite ich da nun fast vier Jahre. Zeitgleich studiere ich Biochemie und Molekularbiologie an der Universität in Bern. Mit einigen „Zwischenjahren“ an der Uni hatte ich dabei auch ein bis zwei Jahre Zeit, mich voll und ganz dem Barkeeping zu widmen.

 

DRINKS: Deine aktuelle Arbeit?

MD: Ich arbeite in der Atelier Classic Bar im Stundenlohn als Bartender. Wir wechseln uns von Tag zu Tag im Team ab mit dem Mixen am Brett und dem Service an den Gästen – von daher ist das Ganze sehr abwechslungsreich.

 

DRINKS: Deine persönliche Bar- und Lebensphilosophie? 

MD: Neues probieren! Ich will immer etwas Neues entdecken und ausprobieren, und ob es gut ist oder ob es mir gefällt, finde ich dann heraus. Lieber etwas machen und dann merken, dass es nichts für mich ist, als dass ich im Nachhinein denke: „Wieso habe ich es nie probiert?“

 

DRINKS: Deine Vorbilder und wenn ja, weshalb?

MD: Ich habe nicht wirklich Vorbilder, denn ich möchte mein eigenes Vorbild sein und meine eigenen Vorstellungen treffen. Im Allgemeinen orientiere ich mich aber an anderen Personen und daran, was sie erreicht haben und was ich noch machen könnte.

 

DRINKS: Was bereichert dein Barleben im Besonderen?

MD: Die Abwechslung zum Leben an der Uni, die Möglichkeit, Neues zu erleben, und die Möglichkeiten, die sich durch das Barkeeping eröffnen. So durfte ich in meinen vier Jahren hinter der Barkulisse zum Beispiel schon viele tolle Reisen und Erlebnisse mitmachen: Ich durfte für fünf Tage nach Amsterdam, nach Slowenien zu einem internationalen Wettbewerb und nach Kolumbien zur Weltmeisterschaft. Momentan bin ich in Albufeira in Portugal, wo ich den Elite Barkeeper Kurs der International Bartenders Association absolviere. Anfang Mai war ich in Tschechien bei der Mattoni Grand Drink Competition, der Weltmeisterschaft für Mocktails. Für mich ist dies das Beste: Ich erlebe coole Momente und sehe coole Orte, die mich im Leben sehr bereichern.

 

DRINKS: Deine persönlichen Spirits und Drinks? Welche und weshalb?

MD: Ich bin ein grosser Liebhaber von Spirituosen und Cocktails. Ich persönlich trinke nicht gerne Bier, mehr noch: Ich kann keinen Schluck trinken! Ich mag viel mehr Whisky, Rum oder fein hergestellte Cocktails. Mich fasziniert auch oftmals die Geschichte hinter der Herstellung von Spirituosen, zum Beispiel von Whisky. Ich war vor einem Jahr in Schottland und habe da sechs Brennereien besucht und mich durch die Geschichte des schottischen Whiskys probiert. Zu Hause habe ich mir über die Jahre eine gute Sammlung an Spirituosen zusammengestellt.

 

DRINKS: Deine Meinung zu Wettbewerben und wie gewinnt man einen Wettbewerb?

MD: Seit etwa meinem zwölften Lebensjahr liebe ich Wettbewerbe. Damals habe ich mit Mountainbike-Rennen angefangen. Bis zu meinem einundzwanzigsten Lebensjahr war ich extrem im Mountainbikesport tätig, habe viele Rennen und Wettbewerbe mitgemacht und durfte viele Erfolge feiern. Seit ich studiere und arbeite, habe ich zwar weniger Zeit dafür, aber der Wettbewerbsgeist hat sich beim Barkeeping wiedergefunden. Dabei geht es mir darum, meine eigenen Grenzen zu finden, besser zu werden, andere Leute zu sehen, mich inspirieren zu lassen und aus jedem Event zu lernen.

 

Mein Chef Ivan Urech hat mir alles beigebracht, was es zu Cocktail-Wettbewerben zu wissen gibt: wie man es angeht, wie man dafür lernt und sich mental auf alles gefasst macht. Das, was ich am meisten dabei mitgenommen habe, ist es, sich so vorzubereiten, dass der Ablauf eine alltägliche Routine wird. Das heisst: Mehrere Tage vor dem Wettbewerb bin ich in der Bar und gehe mit den Flaschen, die ich brauchen werde, gefüllt mit Wasser, die ganze Routine durch, bis alles auswendig sitzt. Dabei geht es rein darum, dass ich auf alles gefasst bin. Und wenn im Wettbewerb dann doch etwas passiert, passierte es vermutlich schon einmal im Training. So kann ich darauf reagieren und verliere nicht die Fassung. 

 

DRINKS: Dein Ausgleich zur Bar?

MD: Ich bin physisch sehr aktiv und gehe mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio und oft auf das Mountainbike. Ich liebe es, zu kochen und neue Rezepte auszuprobieren. Abends mag ich es, einen guten Film zu schauen oder mich beim Onlinespielen mit Freunden zu unterhalten und zu erfreuen. Seit einem Jahr bin ich mit meinem besten Kollegen Johann von Sothen zudem daran, eine eigene Firma – die J&M Aurimel KLG – zu gründen: Wir wollen unser Hobby von der Herstellung von Honigwein (Met) zu einem Geschäft machen. Sehr vieles ist schon geschafft. Nun warten wir noch auf die nötigen Bewilligungen und dann kann es voll und ganz losgehen. Dies ist momentan ein grosser Teil meiner Freizeitbeschäftigung.

 

DRINKS: Michael, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Bilder zum Artikel:

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