The Grasshopper
Zwischen Disco-Drink und Comeback
Wer Hamburg besucht, sollte unbedingt im Le Lion vorbeischauen. Die Bar von Joerg Meyer, der für seine Hingabe zur klassischen Cocktailkultur bekannt ist, zählt zu den Aushängeschildern der deutschsprachigen Barszene. Bei einem Besuch vor einiger Zeit fiel mein Blick, zwischen akribisch zubereiteten Basil Smashs und perfekten Negronis, auf eine Besonderheit der Karte: den Grasshopper. Leuchtend grün, süß und in seiner Komposition eigentlich aus dem Zeitgeist gefallen, findet man ihn heute nur noch selten auf einer Cocktailkarte. In Zeiten, in denen viele Bars auf Signature Drinks als Aushängeschild ihres Könnens setzen, war es daher erfrischend zu sehen, wie das Le Lion einem fast vergessenen Klassiker neues Leben einhaucht und ihm einen prominenten Platz auf der Karte reserviert.
Manche Drinks wie der Swimmingpool, Tequila Sunrise oder eben der Grasshopper wecken sofort Erinnerungen an die schillernden, aber geschmacklich oft zweifelhaften 80er-Jahre. Die Disco-Drinks – bunt, süß und lange Zeit als Relikte einer geschmacksverirrten Ära belächelt. Noch heute zucken Barkeeper allein beim Gedanken daran zusammen. Doch einige sehen darin eine Herausforderung und gehen einen anderen Weg: Sie nehmen sich dieser Klassiker an, entstauben sie und präsentieren Varianten, die das Original weit hinter sich lassen. Das Originalrezept des Grasshoppers ist simpel: gleiche Teile Crème de Menthe, Crème de Cacao und Sahne. Im Glas erinnert er an einen leicht alkoholischen Schoko-Minz-Milchshake. Seine Aromatik ist zugleich sein Markenzeichen und sein Makel: viel Dessert, viel Zucker, wenig Ernsthaftigkeit. Doch richtig gemixt, kann der Grasshopper weit mehr sein.
Ursprung im French Quarter
Seine Wurzeln liegen wie so viele Klassiker in New Orleans. Im traditionsreichen Restaurant Tujague’s soll ein gewisser Philibert Guichet den Cocktail 1919 für einen Wettbewerb in New York kreiert – und damit den zweiten Platz geholt haben. Zurück in Louisiana brachte er den Drink ins French Quarter, wo er schnell seine Fans fand. Bis heute gilt das Tujague’s als Heimat des Grasshoppers, auch nach dessen Umzug in die Decatur Street. Ein Beweis, dass der Drink durchaus Komplexität aufweisen kann, liefert New-Orleans-Barkeeper Paul Gustings: Er kombiniert helle und dunkle Crème de Cacao, weisse und grüne Crème de Menthe sowie einen Schuss Cognac, der die Sahne abrundet und dem Drink Struktur gibt. Das Ergebnis ist ein Grasshopper, der aromatisch weit über die oft belächelte ursprüngliche Version hinausgeht – komplex,
balanciert, einfach lecker.
Moderne Interpretationen
Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Erfindung erlebt der Grasshopper in der Szene ein Revival. Bartender wie Jeff Morgenthaler und Joerg Meyer holen ihn zurück in die Gegenwart – und spielen mit seiner Zusammensetzung. Jeff Morgenthalers Version ergänzt die Sahne, Crème de Menthe und Crème de Cacao mit Vanilleeis, Fernet Branca und Salz. So verwandelt er sich vom kitschigen After-Dinner-Drink in einen ernstzunehmenden Cocktail ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Joerg Meyer nutzt einen Crème de Cacao, der unter seiner Mitwirkung entstanden ist.
Ein Drink zum Schmunzeln und Geniessen
Der Grasshopper ist kein Cocktail für Puristen. Er ist süß, cremig, bunt – und alles andere als subtil. Doch gerade in einer Barlandschaft, die sich oft an breitgetretenen Trends festklammert, ist er ein wohltuender Ausreißer. Er erinnert daran, dass Cocktails nicht immer strengen Regeln unterliegen und kompliziert sein müssen. Manchmal dürfen sie einfach Freude machen. Und wer einmal eine perfekt gemixte Version wie im Le Lion probiert hat, weiss: Hinter dem grünen Schimmer steckt ein Cocktail mit überraschender Tiefe.
Unser Cocktailautor Pat Braun nimmt für den Grasshopper am liebsten
die hochwertigen Liköre aus dem Portfolio von Giffard.
The Grasshopper
Zutaten:
3 cl Giffard Crème de Cacao White
3 cl Giffard Classic Menthe Verte
3 cl Sahne