Pacific Times, München

Immer einen Schritt voraus

Eine Stadt sieht viele Bars kommen und gehen – manchmal schneller, als gedacht. Neue Konzepte ziehen ein, sorgen für eine Weile für Aufmerksamkeit und verschwinden wieder, bevor sie wirklich Teil ihres Umfelds geworden sind. Dabei ist Beständigkeit in der Barwelt selten ein Zufall. Sie entsteht dort, wo ein Ort mehr ist als die Summe aus Karte, Interieur und Adresse. Wo Gäste nicht nur einmal vorbeischauen, sondern wiederkehren – und Gastfreundschaft gelebt wird. 

 

Umso spannender ist es, sich die Orte anzusehen, die bleiben. Bars, die Widrigkeiten überstehen, sich an Veränderungen anpassen, mit der Stadt und ihren Menschen gehen – und dabei es schaffen, sie selbst zu bleiben. Für unseren aktuellen Mystery-Check besuchen wir, wie immer objektiv, konstruktiv und inkognito, eine Bar, die ihren Platz in der bayerischen Landeshauptstadt bis heute behauptet. Wir sind zu Gast im Pacific Times in München, Deutschland. 

 

Das Gärtnerplatzviertel zählt zu den bekanntesten innerstädtischen Quartieren Münchens – es entstand im 19. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung. Fast nahtlos geht es in das benachbarte Glockenbachviertel über; gemeinsam bilden sie eines der lebendigsten und vielfältigsten Viertel der Stadt. Nur wenige Minuten südlich der Altstadt gelegen, wandelten sich die einstigen Arbeiterquartiere zu urbanen Szenevierteln mit einer Mischung aus Altbauwohnungen, kleinen Boutiquen, Cafés und Bars. Besonders prägend ist dabei die Rolle des Glockenbachviertels als Zentrum der LGBTQ+-Community in München: Seit den 1970er-Jahren entwickelte sich hier eine offene, liberale Kulturszene, die bis heute das Strassenbild und das Nachtleben prägt. Gleichzeitig ziehen das kreative Umfeld, die Nähe zur Isar sowie zahlreiche Restaurants und Bars Künstler, Studierende und junge Berufstätige an. Dieser urbane Mix bestimmt den Charakter des Quartiers bis heute.

 

Das Entree

Unser Weg führt uns mitten durch die abendliche Atmosphäre des Glockenbachviertels – der stetige Nieselregen tut dem Ganzen keinen Abbruch. Schöne Altbaufassaden mit hohen Fenstern säumen die schmalen Strassen; dahinter sitzen die Menschen beim Essen oder beim ersten Cocktail des Abends. Nach wenigen Minuten taucht in der Baaderstrasse das warme Licht der Bar auf; wir haben unser Ziel erreicht. Wir klappen unsere Regenschirme zusammen, treten ein und schliessen die Türe hinter uns – und mit einem Mal sind die Geräusche der Strasse verschwunden. Stattdessen zieht uns das Klacken von Shakern, ein angenehmes Stimmengewirr aus angeregten Unterhaltungen und das Geräusch von Eis im Glas ins Innere. Der Abend kann beginnen.

Note: 1,5

 

Das Ambiente

Wir werden zuvorkommend begrüßt und an einen der letzten freien Tische geführt. Während uns unaufgefordert ein Glas Wasser eingeschenkt wird, sehen wir uns um: Im Pacific Times ist die Bar klar schlagendes Herz und funktionales Zentrum des Raumes. Der lange Tresen aus dunklem Holz zieht sich über einen grossen Teil des Gastraums; die Oberfläche zeigt die leichte Patina vieler Abende. Dahinter befindet sich eine klassisch aufgebaute Backbar mit mehreren Ebenen. Auf Arbeitshöhe stehen die Basisspirituosen im Speedrack. Daneben sind Eiswanne, Jigger, Mixing Tins und Rührgläser griffbereit. Darüber folgen dicht bestückte Regale mit Whisky, Rum, Tequila, Vermouth und den gängigen Bitterklassikern. Die Glasware steht sauber poliert in Reihen. Der Arbeitsplatz wirkt klar strukturiert und ist auf Effizienz ausgelegt. Die Bartender arbeiten mit kurzen Wegen und ruhigen, routinierten Handgriffen. Die Gestaltung des Gastraums folgt der klaren Barsprache: Der Parkettboden des Altbaus mit seinen hohen Decken und grossen Fenstern zur Strasse passt stilvoll und fliessend zu den cremefarbenen Wänden und dunklen Holzelementen. Korbstühle, gepolsterte Sitzbänke und kleine Holztische verteilen sich locker im Raum. Das Licht ist warm und gedimmt; es fällt gezielt auf Tresen, Tische und Backbar und setzt die Spirituosen unaufdringlich in Szene. 

Note: 1

 

Das Barteam

Das Pacific Times wurde 1997 von Andreas Till eröffnet, der bis heute Inhaber und Vollblut-Gastgeber ist. Er und sein Team sind sichtbar eingespielt. Im laufenden Service fällt uns vor allem die ruhige, professionelle Organisation auf. Und: Das Tempo stimmt. Bestellungen werden aufgenommen, Eis nachgelegt, Drinks gebaut – jeder im Team kennt seine Abläufe, die Handgriffe sitzen. Trotz der fast voll belegten Tische wirkt nichts hektisch. Das Team arbeitet konzentriert und mit sichtbarer Freude – eine Stimmung, die sich auf unseren Abend überträgt. 

Note: 1

 

 

Die Barkarte

Die Barkarte im Pacific Times fällt durch ihren Umfang auf. Die Auswahl ist aussergewöhnlich gross; sie versammelt Klassiker, Variationen und eine breite Auswahl an Spirituosen aus unterschiedlichen Kategorien. Für Gäste kann diese Fülle durchaus herausfordernd sein – und auch für den Service ist ein solches Konzept kein Selbstläufer. Eine Karte dieser Grösse verlangt Zeit am Gast, Beratung und Aufmerksamkeit. Wir verschaffen uns zunächst einen groben Überblick über die Seiten, auf denen sich die Cocktails und Spirituosen aneinanderreihen. Noch bevor wir tiefer einsteigen können, steht Inhaber Andreas Till bereits am Tisch. Ruhig erklärt er, dass die Karte weniger als starres Angebot gedacht ist, sondern vielmehr als Sammlung dessen, was möglich ist. Der eigentliche Fokus liege auf der individuellen Empfehlung und Beratung. Er stellt ein paar gezielte Fragen – Vorlieben, Spirituose, Stärke, Stil. Das Gespräch dauert nur wenige Momente, dann steht unsere Bestellung fest. Wir sind gespannt.

Note: 1

 

Mixed Drinks

Die Cocktails im Pacific Times bewegen sich auf höchstem technischen Niveau. Die Drinks sind präzise produziert, mit der richtigen Gewichtung aus Spirituose, Süsse und Säure. Der Negroni gefällt uns besonders gut – mit seiner dichten, unglaublich samtigen Textur und ausbalancierten Bitterkeit. Auch der Pisco Sour überzeugt mit seiner lebendigen Säure und cremigen Schaumkrone. Einige der Drinks werden auf speziellen Untersetzern serviert, in die eine kleine Lichtquelle integriert ist. Das Licht scheint durch das Glas und lässt Farbe und Klarheit des Cocktails aufleuchten – ein Effekt, der die Drinks zusätzlich in Szene setzt.

Note: 1,5

 

Speisen und Snacks

Die angebotenen Speisen sind deutlich mehr als eine Begleitung zum Drink: Ein Blick in die Karte zeigt eine überraschend umfangreiche Auswahl, die von kleineren Snacks und Vorspeisen bis zu vollwertigen Gerichten reicht. Neben Klassikern der Barbegleitung finden sich deutlich international geprägte Teller – etwa ein Surf & Turf „Asian Style“ mit gebratenen Nudeln, Rinderfiletspitzen und Thunfisch-Sashimi sowie Gerichte mit kräftigen Gewürzen und Curryeinflüssen. 

Note: 1

 

Musik und Entertainment

Während unseres Besuchs wird eine Mischung aus Soul, Funk und entspanntem Pop gespielt. Die Musik läuft im Hintergrund in moderater Lautstärke, sodass Gespräche am Tisch problemlos möglich bleiben. 

Note: 1

 

Service und Kommunikation

Der Service im Pacific Times ist sehr aufmerksam und gut koordiniert – auch bei nahezu voller Auslastung behält das Team den Überblick. Die Kommunikation ist dabei freundlich und unkompliziert. Unsere Fragen zu Drinks oder Spirituosen werden direkt beantwortet, Empfehlungen kommen präzise und ohne Umwege. Besonders Andreas Till nimmt sich immer wieder Zeit für kurze Gespräche. 

Note: 1

 

Barchef und Führung der Bar

Die Barführung im Pacific Times liegt in den Händen von Andreas Till, der das Haus 1997 eröffnet hat und seit mehr als drei Jahrzehnten hinter dem Tresen arbeitet. Während unseres Besuchs bewegt er sich sichtbar im Raum – er begrüsst Gäste, berät bei der Drinkwahl und hält gleichzeitig den Überblick über Service und Bar. In der Branche gilt er als eine der prägenden Figuren der deutschen Barkultur und darüber hinaus: international vernetzt, ist er auch regelmässig Juror bei Wettbewerben und als Mentor aktiv, unter anderem bei Campari, wo er sein Wissen an junge Bartender weitergibt. Das Wichtigste für ihn ist jedoch: Gastgeber sein. Gespräche entstehen spontan, Empfehlungen kommen präzise, und der Kontakt zum Gast steht für ihn spürbar und jederzeit im Mittelpunkt.

Note: 1

 

Produktkenntnis und Beratung

Andreas Till und sein Team beraten mit spürbarer Produktkenntnis und viel Aufmerksamkeit. Die Spirituosen hinter dem Tresen sind ihnen bestens vertraut, und mit ein paar gezielten Fragen sind sie schnell beim richtigen Vorschlag: Ein paar wenige Hinweise, übersetzen diese in eine passende Empfehlung. Der Service ist präsent und sehr zuvorkommend – und man merkt, dass hier genau antizipiert wird. Kein Wunsch bleibt unerfüllt. 

Note: 1

 

Sauberkeit und Hygiene

Die Hygiene ist anstandslos: Die Arbeitsflächen und Stationen sind während unseres Besuchs sehr ordentlich gehalten. Auch die sanitären Anlagen sind in gepflegtem und einwandfreiem Zustand.

Note: 1,5

 

Tastings und Aktionen

Neben dem regulären Barbetrieb organisiert das Pacific Times regelmässig Tastings und thematische Abende rund um Spirituosen und Cocktails. Dabei stehen einzelne Kategorien wie Whisky, Rum oder Tequila im Mittelpunkt; die Veranstaltungen sind meist als geführte Verkostungen aufgebaut, bei denen mehrere Produkte im direkten Vergleich probiert werden. Diese Abende moderiert Andreas Till oft selbst oder gemeinsam mit Markenvertretern und Produzenten. Die Tastings richten sich sowohl an interessierte Gäste als auch an Branchenpublikum.

Note: 1 

 

Social Media & Networking

Auf Instagram teilt die Bar vor allem kurze Einblicke aus dem Alltag hinter dem Tresen – Drinks im Glas, Momente aus dem Service oder Szenen während des Abends. Der Auftritt wirkt unaufgeregt und konzentriert sich auf das, was auch vor Ort im Mittelpunkt steht: Barhandwerk, Team und Atmosphäre.

Note: 2

 

Preis und Leistung

Preislich bewegt sich das Pacific Times im gehobenen Münchner Barsegment. Klassische Cocktails liegen in der Regel zwischen etwa 12 und 16 Euro, je nach Drink und verwendeter Spirituose. Angesichts der technisch präzisen Drinks, der aussergewöhnlich breiten Spirituosenauswahl und der persönlichen Beratung durch das Team wirkt dieses Preisniveau auf uns stimmig.

Note: 1

 

Fazit

Als wir aufbrechen wollen, hat draussen der Regen deutlich zugenommen. Während wir noch einen Moment überlegen, bietet Andreas Till uns bereits an, ein Taxi zu rufen. Bis wir unsere Mäntel anziehen und Sachen zusammenpacken, ist alles organisiert. Wenige Minuten später begleitet er uns hinaus – vor der Tür steht das Taxi bereit. Das Pacific Times bietet vieles, was man von einer grossen Bar erwarten darf: eine elegante, stimmig gestaltete Location, eine aussergewöhnliche Auswahl an Spirituosen und Drinks, die sich handwerklich auf höchstem Niveau bewegen. Und doch wirken all diese Elemente hier fast wie Nebendarsteller. Sie bieten den Rahmen für etwas, das man nur zu einem gewissen Grad lernen kann: Gastgebertum. Andreas Till ist Gastgeber – mit allem, was dazugehört. Und das macht den Abend hier zu etwas, das bleibt.


Adresse

Pacific Times
Baaderstraße 28
80469 München

 

Bilder zum Artikel:

Zurück zur Newsübersicht