Moloko+, Frankfurt am Main

Back to the Roots

In Metropolen gehört es zum urbanen Lebensgefühl: Die Gastronomieszene ist in ständigem Wandel. Neue Bars, Cafés und Restaurants eröffnen, während andere genauso schnell wieder verschwinden. Auch Frankfurt macht da keine Ausnahme – die Stadt pulsiert, neue Hotspots entstehen, alte schließen. Wer erfolgreich sein will, muss dranbleiben: Neue Ideen müssen her, Altes darf hinterfragt werden. Bei einem Frankfurter Bar-Konzept schauen wir in dieser Ausgabe genauer hin; inkognito und objektiv. Diesmal im Mystery Check: das Moloko + in Frankfurt am Main in Deutschland.

 

Wer durch die Republik mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reist, sieht bereits aus der Ferne die markante Silhouette Frankfurts. Die avantgardistischen Fassaden zahlloser Hochhäuser – für Deutschland so untypisch – prägen das Bild dieser Stadt, die für ihr Messe- und Finanzzentrum weltberühmt geworden ist. Die Banken mit ihren himmelhoch aufragenden Prestigebauten sorgten für den Spitznamen der Stadt: Mainhattan. Mehr als 300 Kreditinstitute aus aller Welt sowie die Europäische Zentralbank und Deutsche Börse machen Frankfurt zu einem der wichtigsten Finanzplätze Europas. Doch zur Moderne und internationalen Geschäftigkeit gibt es jede Menge Kontraste, die Hessens Mainmetropole zu einer lebenswerten Stadt machen. Das im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Zentrum wurde im alten Grundriss liebevoll neu aufgebaut. In den letzten Jahren sind allein 15 Gebäude nach historischen Vorbildern rekonstruiert worden. Der Krönungsweg führt vom Dom Sankt Bartholomäus durch die Altstadt zum Römer, seit dem 15. Jahrhundert Frankfurts Rathaus mit seiner charakteristischen Giebelfassade. Frankfurt zählt zu den großen Kulturzentren der Republik. Durch das Zentrum strömt gelassen der Main, entlang des berühmten Museumsufers flanieren die Menschen, während sich hochklassige Museen aneinanderreihen. Mehr als 40 Ausstellungshäuser warten auf Besucher, viele davon am einzigartigen Museumsufer direkt am Main. Vom Museum für Angewandte Kunst über das Städel Museum mit Kunst aus über 700 Jahren bis hin zum Filmmuseum und der Liebieghaus Skulpturensammlung – eine in Europa beispiellose Kulturlandschaft.

 

Dass Frankfurt viel mehr ist als Banken und Börse zeigt auch ihre Barszene: In stylischen Rooftop-Bars trifft kosmopolitisches Flair auf kreative Cocktails, während in den traditionellen Apfelweinkneipen von Sachsenhausen hessische Gemütlichkeit gelebt wird. Dazwischen entstehen immer neue Hotspots – von charmanten Nachbarschaftsbars bis zu internationalen Lounges. Die Stadt vereint viele Gegensätze zu einem spannenden, urbanen Mix.

 

Das Entree

Unser Weg führt uns durch die Innenstadt zur Kurt-Schumacher-Straße, nur einen Steinwurf vom Main entfernt. Hier, am sogenannten Fischerplätzchen, haben die umliegenden Lokale ihre Tische und Stühle unter einem mächtigen Baum aufgestellt. Die Lage ist zentral: 100 Meter zur Altstadt und zum Dom, 50 Meter zum Main. Das Moloko+ fügt sich natürlich in diese lebendige Szenerie ein – seit über zwanzig Jahren ist es ein fester Bestandteil dieses Platzes. Wir betreten die Bar kurz nach 17 Uhr. Früher war das Moloko+ auch tagsüber als Bistro geöffnet; seit der Neuausrichtung im Jahr 2022 konzentriert man sich jedoch konsequent auf das abendliche und nächtliche Barpublikum.

Bewertung: 1,5

 

Das Ambiente

Das Innere des Moloko+ ist eine Hommage an das Midcentury Modern Design der 1960er-Jahre. Originalstücke von Herman Miller, Vitra und Knoll prägen das Bild: verchromte Barhocker, weiße Schalensessel mit dunkelrotem Lederbezug, Stühle von Charles Eames. Der unbehandelte Steinboden und die Wandgestaltung von Künstler Mut Müller-Deutsch vervollständigen das durchdachte Interieur. Herzstück ist die acht Meter lange Bar aus dunklem Zebrano-Holz, die nach der Renovierung 2022 modernisiert wurde, ohne ihren charakteristischen Charme zu verlieren. Direkt dahinter, als sichtbarer Kontrast in die schicke Holzwand eingelassen, steht ein Rotationsverdampfer. Vasen mit Blumengestecken und die dezente Beleuchtung schaffen eine ungezwungene Wohnzimmer-Atmosphäre. Das Ambiente vereint Ästhetik mit Gemütlichkeit und macht deutlich: Hier wurde jedes Detail bedacht.

Bewertung: 1,5

 

Das Barteam

Freundlich werden wir von einem Mitglied des achtköpfigen Teams begrüßt. Das Personal wirkt eingespielt und routiniert – nicht verwunderlich, denn der Großteil ist schon viele Jahre dabei und der Bar auch über die Corona-Zeit hinweg treu geblieben. Diese Kontinuität spürt man auch in den Abläufen. Unaufgefordert wird uns ein Glas Wasser serviert, das regelmäßig nachgefüllt wird. Das Team arbeitet professionell, aber ohne Steifheit – genau die richtige Mischung für eine Bar, die „für jeden zugänglich" sein möchte, wie es die Philosophie des Hauses beschreibt. Auch der Talentpool des Moloko+ scheint unerschöpflich: Julian Yücevardar, Laura Miceli, Francis Cun sind Namen, die auch über die Grenzen Frankfurts bereits Bekanntheit erreicht haben.

Bewertung: 1,7

 

Die Barkarte

Die Barkarte wechselt zweimal jährlich und spiegelt die saisonale Ausrichtung der Bar wider. Zwölf Signature Drinks bilden das Herzstück, ergänzt durch Klassiker auf Wunsch. Die Beschreibungen sind verständlich gehalten, ohne zu technisch zu werden. Auch Cognac-Drinks finden sich auf der Herbst- und Winterkarte. Die Sommerkarte setzt verstärkt auf Low-ABV-Produkte wie Wermut, Sherry und Sake-Drinks. Besonders beeindruckt sind wir von der Kreativität bei regionalen Bezügen: Hessische Kräuter wie Sauerampfer werden destilliert oder zu Cordials verarbeitet, Apfelbrand kommt zum Einsatz, und sogar die Grüne Soße diente bereits als Inspiration für prämierte Drinks.

Bewertung: 1,5

 

Mixed Drinks

Die Drinks im Moloko+ überzeugen durch ihre durchdachte Komposition und handwerkliche Präzision. Der Großteil wird als Pre-Mix vorbereitet. Wir stellen einige Nachfragen zur saisonalen Herangehensweise der Bar: Wir erfahren, dass das Team bereits im Winter kiloweise Bergamotten und Blutorangen in Bio-Qualität einkauft und durch Fermentation oder Destillation konserviert. So können diese Produkte das ganze Jahr über verwendet werden. Die Drinks sind geschmacklich komplex, nie überladen und kreativ. Der Cocktail „Penicillin“ mit japanischem Whisky ersetzt beispielsweise Honig durch Bienenwachs und destillierte Ringelblumen. Die Präsentation ist zurückhaltend elegant – die Drinks sprechen für sich, ohne übertriebene Garnituren.

Bewertung: 1,5

 

Speisen und Snacks

Seit der Neuausrichtung 2022 gibt es keine vollwertige Küche mehr im Moloko+. Stattdessen konzentriert man sich auf durchdachte Bar-Snacks: Arancini mit Ragout, Grilled Cheese, Rauchmandeln und Oliven mit Fenchel und Zitronenabrieb. Die Auswahl ist klein, aber qualitativ hochwertig und perfekt auf die Drinks abgestimmt. Der Verzicht auf umfangreiche Speisen war eine bewusste Entscheidung der Betreiber, um sich wieder auf das ursprüngliche Konzept als Cocktailbar zu konzentrieren. Kaffee wird nur noch für den Eigenbedarf und für Espresso Martinis gebraut.

Bewertung: 1,5

 

Musik und Entertainment

Am Wochenende sorgt ein kuratiertes DJ-Programm für die musikalische Untermalung. Während unseres Besuchs unter der Woche läuft dezente Hintergrundmusik, die Unterhaltungen problemlos zulässt. Die Atmosphäre ist entspannt und einladend. Je nach Tageszeit und Stimmung wird die Musik angepasst.

Bewertung: 1,5

 

Service und Kommunikation

Der Service im Moloko+ ist aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein. Das Team scheint ein gutes Gespür dafür zu haben, wann Gäste Beratung wünschen und wann sie lieber ungestört bleiben möchten. Unsere Drinks wurden zügig serviert – obwohl Bar und Terrasse sehr gut besucht waren.

Bewertung: 1,5

 

Barchef und Führung der Bar

Bijankina und Tom Lerotic führen das Moloko+ seit 2012 als Ehepaar und eingespieltes Team. Beide sind als Gastronomen-Kinder aufgewachsen: Toms Eltern hatten in den 1980ern ein Restaurant in Berlin, Bijankinas Vater war Küchenchef und besaß später ein eigenes Restaurant. Diese Erfahrung zeigt sich für uns in der professionellen Führung der Bar. Tom Lerotic wurde 2006 Barchef im damaligen Moloko+, bevor das Paar die Bar 2012 vollständig übernahm. Die Entscheidung, 2022 das Tagesgeschäft aufzugeben und sich auf die Cocktailbar zu konzentrieren, war unserer Meinung nach ein mutiger – und richtiger – Schritt. 

Bewertung: 1,5

 

Produktkenntnis und Beratung

Die Produktkenntnis im Moloko+ ist einwandfrei. Das Team gibt gerne über die verwendeten Spirituosen und die aufwendigen Herstellungsprozesse der hauseigenen Zutaten Auskunft. Besonders Julian Yücevardar als Head of Prep verfügt über tiefgreifendes Wissen zu Fermentation, Destillation und anderen Techniken. Auch in der Auswahl der Spirituosen zeigt sich der Sachverstand des Teams: von japanischem Fasslager-Whisky über die Weinauswahl bis hin zu regionalen Spezialitäten wie Apfelwein vom hessischen Familienbetrieb Walther.

Bewertung: 1,5

 

Sauberkeit und Hygiene

Der Arbeitsbereich hinter der Bar ist aufgeräumt und wird regelmäßig gereinigt. Die Toiletten sind sauber und modern gestaltet. Auch die Terrasse mit rund 100 Plätzen am Main wird trotz der Größe gut gepflegt.

Bewertung: 1,5

 

Tastings und Aktionen

Das Moloko+ bietet regelmäßig besondere Veranstaltungen an. Die Terrasse wird im Sommer „Moloko am Meer" genannt und entsprechend bespielt. Immer wieder finden Gastschichten befreundeter Barkeeper statt. Die Bar kann auch für private Veranstaltungen gemietet werden und es gibt eine mobile Cocktailbar für Events.

Bewertung: 2

 

Social Media & Networking

Das Moloko+ ist auf verschiedenen Social-Media-Kanälen sehr aktiv und präsentiert sich authentisch. Immer wieder steht auch das Team im Mittelpunkt ihrer Posts sowie Blicke hinter die Kulissen der Produktion.

Bewertung: 1,5

 

Preis und Leistung

Für Frankfurter Verhältnisse sind die Preise im Moloko+ äußerst fair kalkuliert. Trotz hoher Qualität bei Zutaten und Zubereitung bewegen sich die Cocktails unserer Meinung nach mit 15 Euro in einem angemessenen Rahmen. 

Bewertung: 1,7

 

Fazit

Mit der Rückbesinnung auf das ursprüngliche Konzept als reine Cocktailbar hat sich das Moloko+ erfolgreich neu erfunden, ohne seine Identität zu verlieren. Mehr noch: Mit ihrem ästhetischen Anspruch, Kreativität und Handwerk auf hohem Niveau setzt die Bar Maßstäbe in der Frankfurter Barszene. Nach fast 25 Jahren Existenz hat das Moloko+ bewiesen, dass Kontinuität und ständige Weiterentwicklung kein Widerspruch sind. Als eine der ältesten Cocktail-Bars Frankfurts ist sie gleichzeitig eine der modernsten – ein scheinbares Paradox, das perfekt funktioniert.

 


Mystery BarCheck

Moloko+      
Testurteil: 1,6
Dies entspricht 3 von 3 Jiggern
     
       
Das Entree     1,5
Ambiente     1,5
Barteam     1,7
Barkarte     1,5
Mixed Drinks     1,5
Speisen & Snacks     1,5
Musik & Entertainment     1,5
Service & Kommunikation     1,5
Barchef & Führung der Bar     1,5
Produktkenntnis & Beratung     1,5
Sauberkeit & Hygiene     1,5
Tastings & Aktionen     2,0
Social Media & Networking     1,5
Preis & Leistung     1,7
       

Adresse

Moloko+
Kurt-Schumacher-Straße 1
60311 Frankfurt am Main
 

Bilder zum Artikel:

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