Blaupause, Basel
Eine Blaupause für Basel
Bars leben von exzellenten Drinks, gut geschultem Service und einer Atmosphäre, die Gäste immer wieder zurückkehren lässt. Auch ein stimmiges Design, durchdachtes Konzept und die persönliche Handschrift des Teams gehören zu den Bausteinen, die eine gute Bar auszeichnen. Doch Barkultur bedeutet mehr als die Summe dieser Faktoren: Sie ist Teil einer Szene, die sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und gemeinsam sichtbar wird. Genau diesen Aspekt sehen wir uns im aktuellen Mystery Check genauer an – objektiv, konstruktiv und inkognito. Wir waren zu Gast in der Blaupause in Basel, Schweiz.
Im Dreiländereck am Rhein, wo Deutschland, Frankreich und die Schweiz zusammentreffen, liegt Basel. Schon in der Römerzeit als bedeutender Handelsplatz bekannt, vereint die Stadt heute ihre mittelalterlichen Gassen der Altstadt mit modernen Wahrzeichen wie den Roche-Türmen des Architektenduos Herzog & de Meuron. Über der Altstadt erhebt sich das Basler Münster mit seinen roten Sandsteinmauern und markanten Türmen. Bis heute prägt es die Silhouette am Rhein. Die Stadt verfügt über eine der höchsten Museumsdichten weltweit und ist für ihre kulturelle Vielfalt bekannt: Häuser wie das Kunstmuseum Basel oder das Tinguely-Museum haben weit über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung. Ein jährlicher Höhepunkt ist die «Art Basel» im Juni, die als wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst gilt – sie zieht Sammler, Kuratoren und Kunstliebhaber aus aller Welt an. Ein besonderes Kapitel im Jahreslauf ist auch die Basler Fasnacht, die seit 2017 zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Drei Tage lang verwandelt sie die Stadt in ein buntes Spektakel aus Larven, Musik und Umzügen.
Wenn die Temperaturen steigen, rückt der Rhein ins Zentrum des Lebens. An den Uferpromenaden flanieren Einheimische und Gäste, treffen sich in den kleinen Buvetten oder wagen das traditionelle Rheinschwimmen. Wer es gemütlicher mag, überquert den Fluss mit einer der historischen Rheinfähren und geniesst dabei den Blick auf das mittelalterliche Stadtbild. Will man Basel kulinarisch entdecken, bietet die Stadt regionale Spezialitäten, wie etwa die traditionellen Basler Läckerli – ein Honiggebäck mit langer Geschichte. In den Restaurants und Cafés reicht das Angebot von klassischer Schweizer Küche bis hin zu Einflüssen aus den Nachbarländern Frankreich und Deutschland. Wenn es dann Abend wird, zieht es die Menschen in Bars und Beizen, zwischen mittelalterlichen Mauern.
Das Entree
Wir schlendern durch die verwinkelten Gassen und folgen der Utengasse, einer der ältesten Strassen des Viertels. Zwischen den historischen Gebäuden entdecken wir schliesslich die Hausnummer 28. Ein kleines, eher unscheinbares Schild verrät: Hier befindet sich die «Blaupause». Vor der Bar reihen sich einige Holztische und Stühle, blaue Sonnenschirme spannen sich darüber. Wer hier Platz nimmt, sitzt mitten im Kleinbasler Quartier. Durch das geöffnete Fenster fällt der Blick in eine der vermutlich kleinsten Cocktailbars der Stadt. Wir öffnen die Tür und treten ein.
Bewertung: 2
Das Ambiente
Die Blaupause hält, was ihr Name verspricht, und zieht das Thema durch: Blau in all seinen Schattierungen. Samtsofas in einem dunkleren Ton und auch die Wände in passender Farbpalette. Die schlichten Industrielampen passen zum minimalistischen Vintage-Design der Bar und ihr Licht sorgt für ein gemütliches Ambiente. Der Raum ist schmal, ohne beengt zu wirken. Hinter der kleinen Theke reihen sich die Spirituosen, die durch indirekte Beleuchtung in Szene gesetzt sind. Daneben sehen wir Gefässe mit hausgemachten Sirupen und Infusionen. Der begrenzte Platz im Barbereich wird effizient genutzt: Die grosse Auswahl an Botanicals findet ihren Platz in Schraubgläsern auf Augenhöhe des Bar-Teams – gut verstaut und immer in Reichweite. An den Wänden sorgen kleine Regale für Ordnung und halten das notwendige Equipment griffbereit.
Bewertung: 2
Das Barteam
Hinter der Bar stehen Gabriel Aeschbach und Béla Keller – sie begrüssen uns herzlich. Durch ihre aufgeschlossene Art schaffen sie von der ersten Minute an eine entspannte, einladende Atmosphäre. Beide bewegen sich routiniert und harmonisch hinter dem Tresen. Obwohl Bela erst vor einiger Zeit zur Blaupause dazugestossen ist, wirken sie wie ein längst eingespieltes Team. Sie nehmen sich viel Zeit für unsere Fragen, geben Empfehlungen und wir spüren deutlich die Leidenschaft für Bar und Handwerk, mit der sie dabei sind. Die Geschäftsleiterin der Blaupause ist Julia Schär – sie trafen wir während unseres Besuchs nicht an.
Bewertung: 1,5
Die Barkarte
Statt einer traditionellen, gedruckten Barkarte finden wir die Kreationen der Bar auf der handgeschriebenen Menütafel an der Wand. Sie zeigt die kreative Seele der Bar und man merkt: Hier haben die Barkeeper Freude am Experimentieren. Sie kombinieren Zutaten wie Steinpilze, Chili, Mohn oder Kakaobutter und kreieren damit neue Erlebnisse für die Gaumen ihrer Gäste. Die Cocktails selbst halten sich nicht mit verspielten Namen auf, sondern tragen schlicht die Bezeichnung der Zutat, die im jeweiligen Drink die Hauptrolle spielt: So ist der Drink «Waldmeister» eine Kombination aus Gin, Chartreuse, Waldmeister, Rahm und Zitrone – die uns sehr begeistert. Alle bekannten Klassiker können nach individuellen Wünschen ebenfalls zubereitet werden.
Bewertung: 1,5
Mixed Drinks
Die Cocktails in der Blaupause zeugen von echtem Handwerk. Mit frisch gepressten Säften, hausgemachten Sirups, eigenen Infusionen, Bitters und selbst hergestellten Likören entstehen hier Drinks, die geschmacklich überraschen. So versteckt sich hinter «Wassermelone» eine raffinierte Kombination aus Blacklabel-Whisky mit Vanillenoten, Wassermelone, hausgemachtem Sirup, Limette und Sodawasser – fruchtig, frisch und perfekt ausbalanciert. Der Drink «Kirsche», aus Sauerkirschbrand, Tequila und Kirsch Cordial, besticht durch seine fruchtig-säuerlichen Noten und den dezenten Hauch von Bittermandel. Die Präsentation ist meist stimmig, die Aromen komplex und vielschichtig. Der Fokus der Bar liegt klar auf der Kreation einzigartiger und hochwertiger Cocktails mit saisonalen Zutaten aus der Region. Alle Drinks werden frisch produziert.
Bewertung: 1,5
Speisen und Snacks
Eine Speisekarte wird uns während unseres Besuchs nicht angeboten. Die Blaupause konzentriert sich voll und ganz auf das Wesentliche: Drinks. Auf Wunsch werden Knabbereien zu den Cocktails gereicht.
Bewertung: 2.5
Musik und Entertainment
Zum Zeitpunkt unseres Besuchs ist die Musik der Bar subtil und die Lautstärke angenehm dosiert, sodass entspannte Gespräche möglich sind. Social Media entnehmen wir, dass durchaus mal die Gitarre in die Hand genommen wird und Live-Musik angeboten wird.
Bewertung: 2
Service und Kommunikation
Das Bar-Team geht aufmerksam auf seine Gäste ein. Die Kommunikation ist entspannt und unaufgeregt, dabei aber immer zuvorkommend. Fragen zu den Drinks beantworten sie kompetent und mit grosser Begeisterung. Die kleine Grösse der Bar unterstützt die intime, familiäre Atmosphäre.
Bewertung: 1
Barchef und Führung der Bar
Gegründet wurde die Bar von Thierry Dunkel, der sich mit der Blaupause einen lang gehegten Traum erfüllte. Heute wird die Bar von Julia Schär geleitet, die ursprünglich aus der Medizin kommt: Als ausgebildete Orthoptistin fand sie über Nebenjobs in Basler Bars – darunter die Styx Bar – ihren Weg zur Mixologie. In der Blaupause verantwortet sie die Ausrichtung der Bar und bringt Erfahrungen aus der gehobenen Gastronomie ein. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf Eigenkreationen mit hausgemachten Zutaten und saisonalen Aromen.
Bewertung: 1
Produktkenntnis und Beratung
Die Beratung in der Blaupause ist vorbildlich. Gabriel und Béla demonstrieren fundiertes Wissen über ihre hausgemachten Zutaten, Spirituosen und die verschiedenen Herstellungsverfahren. Sie können detailliert erklären, wie die eigenen Liköre und Sirupe entstehen und welche besonderen Techniken bei den einzelnen Drinks zur Anwendung kommen. Besonders beeindruckend ist ihr Verständnis für die unkonventionellen Zutaten wie Steinpilze oder Kakaobutter und wie diese in die Cocktailkomposition integriert werden. Die Beratung erfolgt nie belehrend, sondern ist von echter Leidenschaft für das Handwerk geprägt.
Bewertung: 1,5
Sauberkeit und Hygiene
Trotz der kleinen Räumlichkeiten herrscht in der Blaupause absolute Ordnung und Sauberkeit. Der Arbeitsbereich hinter der Bar ist strukturiert organisiert, alle Utensilien haben ihren festen Platz. Die vielen hausgemachten Liköre und Sirupe sind sauber aufgereiht und beschriftet. Auch die sanitären Anlagen entsprechen einem hohen Standard. Man merkt, dass hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wird und Hygiene nicht nur oberflächlich, sondern als Teil der Professionalität verstanden wird.
Bewertung: 1,5
Tastings und Aktionen
Die Blaupause ist Teil des Vereins «Basel BarTender», einem Zusammenschluss von Bars, Gastrobetrieben sowie Mixologinnen und Mixologen, der seit 2016 die Interessen der Basler Barszene vertritt. Der Verein organisiert Weiterbildungen, Wettbewerbe und gibt den jährlich erscheinenden «Basel Bar Guide» heraus. Julia Schär, Geschäftsführerin der Blaupause, übernimmt hier Aufgaben in Organisation, Koordination und Redaktion und wirkt so aktiv an der Weiterentwicklung der lokalen Barszene mit.
Bewertung: 1
Social Media & Networking
Der Instagram-Auftritt der Bar konzentriert sich auf Drink-Kreationen, Einblicke in Aktionen und Veranstaltungen sowie Impressionen aus der Bar selbst. Der Fokus liegt hier klar auf der lokalen Barszene in Basel, in der die Blaupause stark verankert und aktiv vernetzt ist. Die Präsenz über die Stadt hinaus steht weniger im Vordergrund.
Bewertung: 2,5
Preis und Leistung
Für Schweizer Verhältnisse bewegt sich die Blaupause mit 18 Schweizer Franken pro Drink in einem fairen Preissegment. Angesichts der aufwendigen Eigenproduktionen und der hochwertigen Spirituosen ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unserer Meinung nach angemessen. Die Qualität der Zutaten und das handwerkliche Können bei der Zubereitung stechen heraus.
Bewertung: 2
Fazit
Die Blaupause ist ein kleines Juwel in Basels Barlandschaft und hat sich ihren Platz unter den besten Bars der Schweiz verdient. Mit ihrer Handschrift und der Herzlichkeit ihres Teams, beweist sie, dass eine Bar nicht gross sein muss, um Eindruck zu hinterlassen. Neben hochwertigen Spirituosen und mit Leidenschaft gemixten Drinks überzeugt sie uns auch durch ihr Engagement, das über die eigenen vier Wände hinausgeht: Durch das Mitwirken im Verein Basel BarTender engagiert sich die Blaupause aktiv für die Basler Barszene – und setzt auf Gemeinschaft statt nur auf den eigenen Erfolg.
Gesamtbewertung: 1,7
Mystery BarCheck
| Blaupause, Basel | |||
|---|---|---|---|
| Testurteil: 5,25 Dies entspricht 2 von 3 Jiggern |
|||
| Das Entree | 2,0 | ||
| Ambiente | 1,5 | ||
| Barteam | 1,5 | ||
| Barkarte | 1,5 | ||
| Mixed Drinks | 1,5 | ||
| Speisen und Snacks | 2,5 | ||
| Musik und Entertainment | 2,0 | ||
| Service und Kommunikation | 1,0 | ||
| Barchef und Führung der Bar | 1,0 | ||
| Produktkenntnis und Beratung | 1,5 | ||
| Sauberkeit und Hygiene | 1,5 | ||
| Tastings und Aktionen | 1,0 | ||
| Social Media & Networking | 2,5 | ||
| Preis und Leistung | 2,0 | ||
Adresse
Blaupause
Utengasse 28
4058 Basel