Der Chef

André Bauer, Comptoir Christiana, Hamburg

Warum bist du Barkeeper geworden?

Barkeeper geworden bin ich nicht aus einem festen Plan heraus, sondern durch Fügung. Nach einer Ausbildung in der IT und zwei Jahren Arbeit hatte ich das Gefühl, festzustecken. Der Alltag war grau, es regnete gefühlt ständig, eine prägende Beziehung ging zu Ende – und der Job forderte mich nicht mehr. Ich wollte raus, etwas Neues erleben, mich neu orientieren.

 

Wie bist du an die Bar gekommen?

Ich bin damals nach Griechenland ausgewandert. Dort bin ich eher zufällig in einem Fünf-Sterne-Hotel gelandet und habe erstmals hinter einer Bar gearbeitet. Die Mischung aus Handwerk, Kreativität, Tempo und direktem Kontakt mit Menschen hat mich sofort gepackt.

 

Welches Konzept steckt hinter Eurer Bar?

Das Comptoir Christiana steht für eine moderne, elegante Barkultur, die nicht laut sein muss, um präsent zu sein. Unsere Drinks sollen zugänglich sein, aber nie banal. Wir arbeiten viel mit Aperitif- und Low-ABV-Konzepten, hochwertigen Produkten und klaren Ideen. Es geht uns nicht um Effekthascherei, sondern um Balance, Atmosphäre und ein ehrliches Geschmackserlebnis.

 

Was zeichnet einen guten Barchef deiner Meinung nach aus?

Ein guter Barchef ist nicht der lauteste im Raum, sondern der aufmerksamste. Er schafft Strukturen, gibt Orientierung und bleibt offen für Ideen seines Teams. Fachwissen ist wichtig, aber Haltung ist entscheidend: Respekt, Ruhe im Stress und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – auch für Fehler. Eine Bar funktioniert nur dann gut, wenn sich alle gesehen und ernst genommen fühlen.

 

Dein schönstes Erlebnis hinter der Bar?

Das Kennenlernen meiner Lebenspartnerin Elena vor neun Jahren. Sie begleitet mich seitdem durchs Leben, gibt mir Halt, Motivation und erinnert mich täglich daran, warum Leidenschaft und Menschlichkeit in diesem Beruf so wichtig sind.

 

Was rätst du jungen Bar-Mitarbeitern?

Geduld zu haben – mit sich selbst und mit dem Handwerk. Gute Drinks entstehen nicht über Nacht, und Persönlichkeit lässt sich nicht erzwingen. Neugier ist wichtiger als Perfektion, Zuhören wichtiger als Selbstdarstellung. Wer bereit ist zu lernen, offenbleibt und den Gästen wirklich begegnet, wird seinen eigenen Stil ganz automatisch finden.

 

Was machst du, wenn du mal nicht hinter der Bar stehst?

Seit meinem zwölften Lebensjahr spiele ich Magic: The Gathering – ein Hobby, das mich bis heute prägt. Es erlaubt mir, für ein paar Stunden in eine andere Welt einzutauchen, den Kopf freizubekommen und neue Perspektiven zu gewinnen.

 

Was isst und trinkst du am liebsten?

Ich mag ehrliche Küche – zum Beispiel Lammkotelett. Dazu eine eiskalte 0,2-Liter-Glasflasche Heineken. Weniger ist oft mehr.

 

Welches ist dein Lieblingsland? Und warum?

Griechenland wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Dort habe ich meine Passion gefunden und gelernt, wie sehr Lebensgefühl, Gastfreundschaft und Genuss zusammengehören. Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.

 

Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen wollen?

Ein gutes Messer, etwas zum Schreiben – und Zeit. Zeit, um nachzudenken, zu beobachten und vielleicht neue Ideen entstehen zu lassen.


Herkunftsland: Deutschland

Ausbildungsort: Mein Wissen habe ich mir durch Fachliteratur, Online-Recherche und tägliche Praxis erarbeitet. Geprägt haben mich jede Bar und jeder Mensch, mit dem ich arbeiten durfte – besonders Frank Widetzki und meine Zeit im East Hamburg.

Beruflicher Weg:

- Arbeit als Barchef, Entwicklung eigener Drink-Konzepte, Wettbewerbserfahrung und starke Fokussierung auf moderne, elegante Barkultur
- DRINKS OPEN 2025, Bols Cocktail Competition 2025