Sezai Uzun: Tangente, Heidelberg
Einfach machen
Unser Barstaff Porträt rückt Barkeeperinnen und Barkeeper aus unseren Lieblingsbars in den Fokus. Dieses Mal Sezai Uzun, der ab 2026 die Geschäfte der Tangente in Heidelberg führt. Wir trafen den DRINKS OPEN Sieger des Jahres 2025 zum Gespräch über die neue Bar in Heidelberg, das Motto „einfach machen“ und der Verwendung des Giffard Bananenlikörs in seinem Drink.
DRINKS: Wie bist du an die Bar gekommen?
Sezai Uzun (SU): Ich bin in Krefeld geboren und mit 12 Jahren in die Rennstadt Hockenheim gezogen. Hier wohne ich nach wie vor, doch seit knapp fünf Jahren arbeite ich in Heidelberg. Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, führte mein Cousin ein Restaurant in Hockenheim und ich sollte „kurz mal aushelfen“. Dabei ist es nicht geblieben und seitdem bin ich in der Gastronomie. Warum ich Bartender geworden bin, ist ganz einfach: In der Gastronomie gibt es keinen sozialeren Ort, an dem du so nah an deinen Gästen bist wie am Tresen. Die Zubereitung von Cocktails war immer schon interessanter, als im Service zu arbeiten, wo ich ursprünglich meine Gastro-Karriere begonnen hatte.
DRINKS: Deine aktuelle Arbeit?
SU: Ich habe am 1. Oktober dieses Jahres die Geschäftsführung einer Bar in Heidelberg übernommen. Die Bar heißt „Tangente“ und wird nach knapp fünf Jahren wiedereröffnet, mit neuen Investoren und einem neuen Konzept. Die Bar prägt das Heidelberger Nachtleben schon seit 1972 und wird es ab Anfang 2026 wieder tun. Auch hier werde ich natürlich hinter dem Tresen stehen, sobald wir eröffnen.
DRINKS: Deine persönliche Bar- und Lebensphilosophie?
SU: Für die Bar ganz klar einen Ort zu schaffen, an dem Gäste sich wohlfühlen und Menschen aus den verschiedensten Hintergründen zusammenkommen! Das steht und fällt mit einem selbst, aber man muss in erster Linie Gastgeber sein. Natürlich ist eine gute Qualität der Drinks wichtig: Das ist dann die Kirsche auf der Sahnehaube, um eine großartige Gastronomie aufzubauen. Wenn es um meine Lebensphilosophie geht, würde ich sagen, dass ich nach dem Motto „einfach machen“ lebe. Wir stehen alle einmal im Leben an einem Punkt, an dem wir vor neue Herausforderungen gestellt werden, bei denen wir nicht wissen, ob wir diese angehen können oder nicht. Genau da versuche ich immer, einfach loszulegen, und suche sogar selbst nach diesen Herausforderungen.
DRINKS: Deine Vorbilder und wenn ja, weshalb?
SU: Ein richtiges Vorbild habe ich nicht. Beruflich kommt da aber sicher ein Amando Ortiz oder ein Marcus Siebert am ehesten ran. Menschen, von denen ich viel lernen durfte! Grundsätzlich bin ich aber jemand, der sich von vielen Menschen inspirieren lässt. Man kann beinahe von jedem was dazu lernen.
DRINKS: Was bereichert dein Barleben im Besonderen?
SU: Definitiv der Kontakt mit Menschen. In unserer Branche ist das sicher der größte Vorteil. Ich habe durch das Barleben sehr viele neue Menschen kennengelernt und viele großartige Freundschaften sind entstanden.
DRINKS: Deine persönlichen Spirits und Drinks? Welche und weshalb?
SU: Für mich ist der Negroni ein Cocktail, der immer geht; und der Midori Sour, weil er mich an die Wassermelonen-Kaugummis aus meiner Kindheit erinnert. Campari ist wohl das Produkt, das ich aus keiner Bar rausdenken kann, wegen dem Negroni. Aber auch einfach mit Soda oder Tonic Water ist der einfach immer gut. Aktuell ist der VW von Turbinenöl ein Produkt, mit dem ich sehr gerne arbeite. Ich durfte bei der Entstehung dieser Mischung aus Wermut und Williams mit dabei sein und auch bei der Zusammensetzung meine Ideen unterbreiten. Durch die Zusammenarbeit mit Turbinenöl hat mich dieses Produkt wohl am meisten begleitet im vergangenen Jahr.
DRINKS: Deine Meinung zu Wettbewerben und wie gewinnt man einen Wettbewerb?
SU: Wettbewerbe sind sehr wichtig. Sie helfen uns Barkeepern damit, uns auf dem Markt zu positionieren und uns weiterzuentwickeln. Vor allem sind sie auch immer ein Ort für das Netzwerken. Ich glaube, der Schlüssel zum Sieg bei einem Wettbewerb ist es – neben einem guten Drink – auch, die Nervosität in den Griff zu kriegen. Ein kühler Kopf ist wichtig und man darf niemals vergessen, Spaß zu haben! Es ist für mich jedes Mal ein Privileg, auf der „Bühne“ zu sein.
DRINKS: Dein Ausgleich zur Bar?
SU: Videospiele, Zigarren und Billard sind ab und zu ein Ausgleich. Aber der wichtigste Ausgleich ist definitiv die Zeit mit Familie und Freunden. Es geht wohl nichts über eine Runde Werwolf (ein Rollenspiel) mit den richtigen Leuten.
DRINKS: Sezai, herzlichen Dank für das Gespräch!
Infos
Name und Ort derzeitige Bar
Tangente, Heidelberg
Ausbildungstationen
2018-2020 Johann-Georg-Doertenbach Schule, Calw
01/2025-05/2025 Meister im Gastgewerbe – Barmeister, Hotelfachschule Heidelberg, Heidelberg
Qualifikationen
Zusatzqualifikation Bar-Management (Barmixer), Johann-Georg-Doertenbach Schule, Calw
Ausbilderschein (AEVO), Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar, Mossbach
Berufliche Stationen
2017-2021 Ausbildung zum Restaurantfachmann, Stadhalle Hockenheim Gmbh, Hockenheim
2021-2022 Servicekraft, Restaurant Wolfsbrunnen, Heidelberg
2022-2025 Barchef, Restaurant 959 und Pino’s Bar, Heidelberg
2025- heute Geschäftsführer, tangente23 GmbH, Heidelberg
Wettbewerbe & Erfolge
05/2024 Finale, DRINKS OPEN 2024, Konstanz
06/2024 9. Platz, GBG Barmasters 2024 / GBG Newcomer of the Year 2024, Rostock
05/2025 Sieger, DRINKS OPEN 2025, Konstanz
06/2025 7. Platz, GBG Barmasters 2025, Lübeck
Exotic North
Sezai Uzun, Tangente, Heidelberg
Zutaten:
4 cl Andalö Sanddorn Aperitif
3 cl Limettensaft
2 cl Giffard Bananenlikör
1 cl Jack Daniel’s Old No. 7
1 cl Aquafaber
Currypulver
Glas: Coupette
Zubereitungen: Alle Zutaten zusammen in einen Shaker geben und auf Eis shaken. Im Anschluss via Strain in eine Coupette abseihen.