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| Ein Leben für den Berufsstand aus Ausgabe Drinks 2009/1 In memoriam Bob Haag, 1932 - 2008 Unter dem Datum 25. März 1932 wird im Taufregister von Neckarau ein Karlheinz Wilhelm Robert Haag registriert. Den Knaben und auch den Jüngling redet allerdings kein Mensch mit einem seiner drei Taufnahmen an – er wird zunächst „Bobby“ gerufen, später dann „Bob“. Koch und Konditor will der Junge werden, der nach einem Umzug aufs Land dort „Trauwe gelese, Grumbeere g’schdobbelt un’ im Bach geangelt“ hatte – Ingenieur soll er werden nach dem Wunsch des Vaters, der ein Spezialist für Brauereianlagen ist. Doch auf Montage schnuppert „Bobby“ in Hotels den Duft der Gastronomie. Er sattelt um: „Lieber drei Jahre umsonst gelernt als ein Leben lang unglücklich!“ Er macht eine Kellnerlehre im Schwan in Kaiserslautern. Dann kommt ihm zu Ohren, dass die Amerikaner Barkeeper suchen. Er hat zwar keine Ahnung von diesem Handwerk, aber er bewirbt sich. Im Ramstein Airforce Club geht der von nun an „Bob“ Genannte durch eine knallharte Schule: Gut dreitausend Drinks gehen hier pro Abend über den Tresen. Bob, einer von 30 Keepern, entwickelt Leidenschaft für den neuen Beruf, lernt schnell und viel. Er darf nun an einem vier Monate dauernden Training für Barkeeper in Fort Lauderdale teilnehmen, fällt positiv auf. Das zahlt sich aus: Der inzwischen 27-jährige kommt als Bar Manager aller Clubs im „Benjamin Franklin Village“ und in den US-Kasernen 1959 nach Mannheim. Und in dieses „Mannem“ zieht es ihn in der Folgezeit immer wieder zwischen erfolgreicher Tätigkeit andernorts. Zum Beispiel in Frankfurt, wo er in der damals berühmten „Er & Sie“-Bar mixt. Aber es ist abzusehen, dass er irgendwann in seinem geliebten „Mannem“ Anker werfen wird. Zunächst perfektioniert er sein Wissen und seine Fertigkeiten als Barkeeper. Und dabei durchlebt er seine „wilden Jahre“ zwischen Arbeit und rasantem Hobby: Bob Haag fährt Bergrennen und Rallyes, bis er 1966 das Cockpit unfreiwillig in hohem Bogen verlässt. Einmal müssen ihn die Ärzte „zusammenflicken“, nachdem er aus einem fahrenden Zug gesprungen war, den er irrtümlich bestiegen hatte, und „den Schotter küsste“, wie er später grinsend erzählt. Die Sturm- und Drangzeit Bob Haags endet Ende der 60er Jahre. Er übernimmt in Mannheims Innenstadt das Bierlokal „Alte Münz“ und den Studententreff „Tangente“. Der Barkeeper wird sesshaft, wird Wirt und ziemlich solide. Er macht aus dem „Tangente“ das „Münz-Chalet“, eine bildschöne und reich bestückte Bar, die über eine Treppe von der „Alten Münz“ aus erreichbar ist. Bob mixt, er legt sich außerdem einen spektakulären Vorrat an Champagner zu und schenkt diesen – damals ein Novum in Mannheim – auch glasweise aus. Und er engagiert sich vehement in der Deutschen Barkeeper-Union, in die er im September 1963 eingetreten war. Der Berufsverband wird zum wesentlichen Inhalt seines Lebens, als ihn die Sektion Baden-Baden – die Jahre später umbenannt werden wird in Sektion Baden-Württemberg – 1973 zu ihrem Vorsitzenden wählt. Bob Haag rückt „seine“ Barkeeper in das Licht der Öffentlichkeit. Er präsentiert sie auf einer Musterbar bei der Intergastra in Stuttgart, er treibt sie zu Höchstleistung an bei jeder sich bietenden Gelegenheit und er poliert damit das Image seines Berufsstandes ebenso wie das des – in weiten Teilen der Bevölkerung noch misstrauisch beäugten – Gastronomiezweigs „Bar“. Bob Haag ist ein nimmermüder Ideenlieferant und scheut auch vor härterer Gangart nicht zurück, wenn sein kurpfälzischer Charme nicht genügt, Pläne zum Wohl des Berufsverbandes zu realisieren. Die Deutsche Barkeeper-Union im Allgemeinen und seine Sektion im Besonderen sind ihm ein Anliegen, für das er zur Not auch mit dem Kopf durch die Wand geht. Dieser ruhelose Bob Haag ist auch Genießer und Sammler. Im Laufe vieler Jahre trägt er Berge von Spielzeugautos, Spieluhren, Edison-Walzen und Schaukelpferden zusammen. Er ist zudem ein Mensch, der mit Menschen fühlen kann: Im Jahr 1991 ruht er nicht eher, bis er Waren im Wert von 120.000 Mark gesammelt hat, die er bosnischen Kriegsopfern zukommen lässt. Sein Talent zum Organisieren hilft ihm bei dieser Aktion natürlich, aber er will im Hintergrund bleiben – seine soziale Seite kennen wenige. Vor allem aber ist Karlheinz Wilhelm Robert Haag ein Kurpfälzer. Dieser Menschenschlag ist so bodenständig wie seine Küche, er hat aber ebenso seine versteckten Feinheiten wie jene. Bobs Art, das Leben zu leben wie es einem Kurpfälzer ansteht, trägt ihm im Jahr 1991 den Ehrentitel „Bloomaul“ ein. Den „Bloomaul“-Orden trugen oder tragen Persönlichkeiten wie der unvergessene Sepp Herberger, Anneliese Rothenberger, Carl Raddatz, Joy Fleming. Als Bob Haag von einem ortsfremden Reporter gefragt wird, wie ein „Mannemer Bloomaul“ zu charakterisieren sei, erklärt er das auf seine Art: „Einer, der den Mund auf dem rechten Fleck hat und den Mut, das zu sagen, was gesagt werden muss.“ Zudem müsse ein „Bloomaul“ auch nach dieser Maxime handeln, ganz besonders im sozialen Bereich. Und er müsse Kurpfälzer sein oder zumindest sehr lange in der Kurpfalz gelebt haben. Bob Haag spricht und lebt als „Bloomaul“ auch nach 2000, als er den Vorsitz „seiner“ Sektion Baden-Württemberg nach 27 Jahren in jüngere Hände abgibt. Er bleibt auch als Ehrenvorsitzender die treibende Kraft, der Organisator, der Ideenlieferant. Als er sich im Jahr 2003 zur Ruhe setzt, beendet er zwar die Arbeit in seinem Betrieb, aber nicht das Engagement in der Deutschen Barkeeper-Union, deren Vizepräsident er ebenfalls einige Jahre lang war. Der Mann, der das „Barmaid-Festival“ erfand und zumindest für einen Teilbereich Kopf der Intergastra war, plant unablässig für den Beruf, der ihm Berufung war. Mit seinem zweiten Nachfolger Alexander Kreft bespricht er am Nachmittag des 28. November 2008 noch verschiedene Termine „seiner“ Sektion. Am 28. November 2008 kommt Karlheinz Wilhelm Robert Haag ums Leben. Ein Motor des Verbandes steht still, ein „Bloomaul“ ist verstummt. Zu früh, Bob, zu früh … Karl Rudolf |
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Personality: "Bob Haag" (Drinks 2009/1) Personality: "Rainer Hosie" (Drinks 2008/6) Personality: "Stefan Jensen" (Drinks 2008/5) Personality: "Roustam Tariko" (Drinks 2008/4) Personality: "Patrick Ricard" (Drinks 2008/3) Personality: "Marcus Moller-Racke" (Drinks 2008/2) Personality: "Karl-Heinz Funke" (Drinks 2008/1) Personality: "Peter Kowalsky" (Drinks 2007/6) Personality: "Florian Stetter" (Drinks 2007/5) Personality: "S.k.H. Prinz Luitpold von Bayern" (Drinks 2007/4) Personality: "William Verpoorten" (Drinks 2007/3) |
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