| Klassiker |
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| Perrier – Die Begehrte Keule aus Ausgabe Drinks 2006 - 5 „Ich nehme ein Perrier“ ist wohl einer der klassischsten Order, wenn ein gastronomisches Menü-Highlight eingeleitet wird. Besonders dann, wenn französische Küche angesagt ist oder ein gewisses Flair eine Veranstaltung umgibt. Die Geschichte des nur gering mineralisierten Mineralwasser Perrier kann sich sehen lassen. Schon der 247 v. Ch. Geborene Feldherr Hannibal soll auf seinem Weg von Karthago nach Rom sich an dem sprudelnden Quellwasser im französischen Languedoc-Gebiet bei Nimes erfrischt und Kraft geschöpft haben. Die Römer schätzten im 1. Jahrhundert v. Chr. die Wohltaten einer „Bouillens“ genannten Quelle und legten in der wasserreichen Gegend ein erstes Badebecken an. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Bouillens-Quelle immer wieder erwähnt. Man sprach ihr sogar magische Heilkräfte zu. Der Name Bouillens hat einen interessanten Hintergrund. Das Volk sprach vom „eau des Bouillens", was soviel bedeutet wie „eau qui bouillonne". Auf deutsch: Nichts anderes als Wasser, dass sprudelt, also Sprudel- oder Perlwasser. Doch erst Napoleon III, dessen berühmte Familie in Europa bis heute Spuren hinterließ, war es dann, der 1863 dem Bürgermeister von dem kleinen Ort Vergèze, Dr. Alphonse Granier, die Nutzung der Quelle zu kommerziellen Zwecken erlaubte. Graniers Ziel war es, den Ort in ein beliebtes Kurnobelbad mit Thermalbetrieb zu verwandeln. Granier gründet die La Société de l'Etablissement Thermal des Eaux Minérale de Vergèze. Betriebszweck der Gesellschaft: Heiße und kalte Bäder, Schlamm- und Karbonatbäder, Inhalationen und der Verkauf von Mineralwasser als Getränk. Kurgäste, die von den Heilkräften des kohlesäurenhaltigen Mineralwassers gehört hatten eilten schnell in den Süden Frankreichs. Doch in französischen Revolutionszeiten, wo Arm und Reich aufeinander prallten, änderten sich die Zeiten schnell. 1870 zerstört ein Feuer die Einrichtungen, die Gesellschaft scheitert und stellt 1884 den Betrieb ganz ein. 1888 erwirbt der Landwirt Louis Rouvière das Unternehmen dessen Wasser sich aus drei unterirdischen Wasseradern speist einschließlich des Guts von Bouillens. Er ist von der Wirtschaftlichkeit der Quelle überzeugt und gewinnt als Geschäftspartner einen Thermalbadspezialisten aus Nîmes: einen gewissen Dr. Louis Perrier. Dieser sorgt für den ersten echten Aufschwung der Marke, als er die Quelle 1894 pachtet. 1898 wird Perrier Alleinbesitzer der Quelle deren Wasser fortan seinen Namen trägt. Er perfektionierte die Flaschenabfüllung unter der Firma Société des eaux minérales, boissons et produits hygiéniques de Vergèze. Gleichzeitig analysierte er die physikalische Zusammensetzung des Mineralwassers und entdeckte dessen therapeutische Heilwirkung. Die Quelle wird in der Folge staatlich anerkannt. Der Grundstein zum Aufbau einer Edelwasser-Marke war gelegt. Einer Marke, der bis heute international nur wenige Wässer sprichwörtlich das Wasser reichen können und die sich längst im Besitz der international tätigen Nestlé-Gruppe befindet Doch vor der Übernahme durch den schweizerischen Lebensmittelkonzern kaufte zunächst 1903 ein gewisser Sir Saint John Harmsworth aus England die Quelle. Der Adlige bietet das Wasser als „natürliches sprudelndes Mineralwasser“ an und führt die bis heute unverwechselbare, bauchige Perrier- Mineralwasserflasche ein. Die Idee der Keule kam ihm als durch einen Unfall Querschnittsgelähmter bei der täglichen Gymnastik. 1906 wandelt er die Firma in die La compagnie de la Source Perrier um und vertreibt das Wasser in die ganze Welt des britischen Empires mit seinen vielen Kolonien und macht den Ort weltberühmt. Bis heute gilt: Wer Vergèze sagt, der muss auch Perrier kennen oder umgekehrt. Die Absatzzahlen von Perrier konnten sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehen lassen. Bis kurz vor dem 2. Weltkrieg steigt die Produktion auf 18,2 Millionen Flaschen jährlich, wovon fast die Hälfte in den Export geht.1936, drei Jahre nach dem Tode von Harmsworth fusioniert die Gesellschaft mit der kleinen Société d'eaux minérales de Vergèze und wird zu La source Perrier S.A. Nach kurzfristiger deutscher Zwangsübernahme im 2. Weltkrieg gelangt die Source Perrier 1948 in die Hände von Gustave Leven und damit wieder in französischen Besitz. Ein beispielloser Aufstieg – ähnlich dem deutschen Wirtschaftwunder - beginnt. Ende der 80er Jahre überschreitet die Produktion erstmals die 1. Mrd. Flaschengrenze. Perrier avanciert über Jahre hinweg zur größten Wassermarke der Welt. 1992 erwirbt die Nestlé-Gruppe aus dem schweizerischen Vevey die Marke Perrier, eine Marke die heute weltweit in über 140 Ländern vermarktet wird. Nestlé war erst 1969 ins Wassergeschäft eingestiegen als man einen 30% Anteil an der französischen Wassermarke Vittel erwarb. Das Unternehmen Nestlé-Group, die ihren Namen auf den 1814 in Frankfurt am Main geborenen Heinrich Nestle zurückführt, nennt heute annähernd 70 Wassermarken von regional über national bis international ihr Eigen, darunter neben Perrier so bekannte Wassermarken wie Contrex, Fürst Bismarck Quelle, Vittel, oder die italienischen Marken San Pellegrino und Acqua Panna sowie die Eigenmarke Nestlé Aquarel. 2005 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe über 92 Mrd. Schweizer Franken Umsatz. Einen stattlichen Anteil daran hat heute Nestlé Waters, seit 2002 die Division Wasser der Nestlé Gruppe. Sie ist weltweiter Marktführer im Wassergeschäft. Als Gründer Nestlé nach einer Apothekerlehre schon früh in die Schweiz ging und dort den Grundstein für die bemerkenswerte Karriere des Unternehmens legte, hätte keiner gedacht, dass aus Nestlé einmal der weltweit größte Wasservermarkter wird. In Deutschland ist die Unternehmenstochter Nestlé Waters Deutschland mit Sitz in Mainz für die französische Wassermarke Perrier zuständig, eine Marke, die heute weltweit auf ein Absatzvolumen von über 700 Mio. Flaschen verweisen kann. Nestlé Waters Deutschland ist einer der Marktführer im deutschen Wassermarkt, zählte 2005 zur Top 5 der führenden Brunnen in Deutschland mit rund 1. Mrd. Liter Absatz und einem Umsatz von 3,77 Mrd. Euro, davon 17 Prozent mit Getränken. Bei soviel Wasserkompetenz bleibt es nicht aus, dass selbst Top-Marken einmal schwächeln. Die französische Wassermarke Perrier aus dem Schweizer Lebensmittelkonzern hätte beinahe in diesem Jahrtausend einen weiteren Wechsel erlebt. Sie sollte verkauft werden. Als Grund galt ein in Frankreich vor zwei Jahren zunächst gescheiterter Sanierungsplan, der mehr Produktivität zum Inhalt hatte. Doch Gott sei Dank kam es nicht zum Verkauf. Längst ist Perrier als eine Marke mit Kultstatus wieder zum Leben erwacht, erlebt ihre Renaissance als gesuindes Wasser für fast jeden Anlass. Sie ist der Inbegriff französisch angehauchter gastronomischer Lebenskultur, die den „Geschmack der großen, weiten Welt“ vermittelt. In Deutschland ist sie sowohl in der Szene-Gastronomie wie auch in namhaften Häusern wie Alexandre Bar in Reutlingen oder Hotel Bayerischer Hof in München zu Hause, vermittelt Wellness und Gesundheit als idealer Essensbegleiter und Durstlöscher, aber auch gut harmonisierend zu einem Glas Wein. Neben der berühmten Flasche aus Glas in Keulenform gibt es seit 2004 sogar eine entsprechende hochqualitative Halbliter-PET-Flasche, die vor allen in den USA und Frankreich beliebt ist. Perrier ist eben Perrier – eine Marke die das gewisse Prickeln vermittelt. Im deutschsprachigen Raum üblich sind für die illustre Gästerunde die gläsernen Flaschengrößen 0,33 l und 0,75 l. Das ideale Format für jeden Durst. Die gleichfalls keulenartige PET-Flasche entspricht eher dem Convenience-Gedanken: als praktischer Durstlöscher für unterwegs. Sie ist aber im deutschen Handel nicht erhältlich, weil Perrier in Deutschland der Gastronomie vorbehalten ist und bleibt. Und das ist gut so! Denn selbst die besten Mineralwässer aus dem In- und Ausland werden in Deutschlands Handel quasi verramscht. Ein echtes Mineralwasser mit wertvollen Spurenelementen und Mineralien muss aber seinen Preis haben. Es dient schließlich der Gesundheit, was Dr.Louis Perrier mit der therapeutischen Heilwirkung seines gleichnamigen Wassers schon vor mehr als über 100 Jahren wissenschaftlich nachgewiesen hat. Das Besondere: Perrier ist nicht nur gesund, sondern es schmeckt auch und ist erfrischend zugleich. Kein Wunder das es zu den Top-Marken der internationalen Gastronomie zählt. Die Marke steht für einen modernen, qualitätsorientierten Lebensstil, fernab eines aufgesprudelten Gammelwassers aus der Wasserleitung, wie es international noch oft in der Karaffe gereicht wird. Eine grüne Keulenflasche Perrier wird dagegen nicht umsonst häufig auf einem silbernen Tablett übergeben. Da heißt es einfach „Salute“. Das sprudelnde Mineralwasser aus dem rund 24 Meter tiefen Les Bouillens bei Vergèze in Frankreich hat nicht nur schon so manchen Feldherrn fit gemacht. Herbert Latz-Weber |
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