| Klassiker |
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| Italienischer Geist in Gold aus Ausgabe Drinks 2010 - 4 Er gehört zur Riege der Unverzichtbaren. Er hat mit seinem unverwechselbaren Aroma klassische Mixgetränke geprägt und regt die Mixer zu neuen Kreationen an. Galliano ist „il spirito italiano“. Neuerdings gibt es diesen Klassiker als Trio. Karl Rudolf stellt ihn vor. Mit seiner goldenen Farbe ist er ein Blickfang. Vanille und Anis werden von der Nase zuerst aufgespürt, danach wird ein wahres Bündel von Düften entwirrt: Lavendel, Pfefferminze, Zimt… Etwa drei Dutzend Zutaten hat Arturo Vaccari zu einem Likör vereinigt, der sich deutlich von allem unterscheidet, was es in diesem Jahr 1896 an Likören gibt. Mit der Farbe Goldgelb für seine Kreation will Vaccari seine Landsleute an die Auswanderer erinnern, die in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vom Goldrausch in die USA gezogen wurden – und Abenteurern, die noch zum Goldschürfen abreisen werden, übers kommende Heimweh hinweghelfen. So ein in Aussehen, Duft und Geschmack ungewöhnlicher Likör braucht einen ungewöhnlichen Namen. Und auch da trifft der zu diesem Zeitpunkt 42-jährige Maestro liquoriste die beste Wahl, so wie zuvor schon beim Erstellen des Rezepts: Er gibt dem Likör den Namen jenes Kriegshelden, der im ersten Abessinien-Krieg (1886-1889) das Fort Macallè erfolgreich gegen eine Übermacht verteidigt hatte: Major Giuseppe Galliano. Mit dem Namen Galliano trifft Arturo Vaccari mitten ins patriotische Herz der Italiener – dass er mit diesem Markennamen einem Soldaten in den Bars der Welt ein Denkmal setzen wird, kann er nicht einmal ahnen. Arturo Vaccari hat „Likör im Blut“. Sein Vater verkauft in Livorno an Italiens Westküste derlei flüssige, süße Spezialitäten, und als der in dieser Stadt geborene Arturo 18 Jahre alt ist, arbeitet er mit in Vaters Geschäft. Irgendwann wird er dann auch Eigentümer einer Brennerei. Und jetzt macht er sich an die Verwirklichung seiner Vision: Er will einen liquore schaffen, der den wahren Geist seiner Landsleute widerspiegelt, den spirito italiano. Also experimentiert er mit Kräutern und Blüten, mit Wurzeln, Rinden und Gewürzen. Er stellt sie zu immer wieder anderen Gruppen zusammen, testet die verschiedenen Möglichkeiten, den Ingredienzen auf optimale Weise ihre Aromen zu entreißen. Jetzt, 1896, ist er am Ziel: Mehr als 30 Zutaten stehen in unterschiedlichen Dosierungen fest, die Methoden, nach denen sie verarbeitet werden, sind erprobt. Das Rezept ist ein Geheimnis, das bis heute gut gehütet wird.
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