Halten wir uns nicht groß mit einer Vorrede auf. Springen wir direkt in die Materie der Zuckerrohrbrände karibischen Ursprungs. Für sie gilt die grobe Distinktion: Es gibt einerseits die schweren Rums, die „heavy bodied rums“. Sie werden aus Melasse gemacht, dem sirupartigen Rest, der bei der Gewinnung von Zucker zurückbleibt, und in Pot Stills gebrannt. In ihrer Art ähneln sie am ehesten noch den rauen Bränden aus der Vorzeit, als Zuckerrohr in die Karibik kam, und oft zu wilden Exzessen führte, der „Rumbullion“. Der Legende nach soll der Rum so seinen Namen erhalten haben. Dem gegenüber steht der Rhum Agricole. Er wird aus dem frisch gepressten Zuckerrohrsaft gewonnen und ist vor allem in den französischen Ländern der Karibik zu Hause. Beide Stile könnten unterschiedlicher kaum sein. So erst erklärt sich auch die dritte Variante. Deren Wurzel liegt in Kuba, wo sich Mitte des 18. Jahrhunderts früh die einfachere Destillation in der Säulenkolonne durchsetzte. Sie brachte, aus Melasse gebrannt, ein leichteres, von weniger Rückständen geprägtes Destillat hervor. Dessen Stil ist zarter. Er schmeckt weicher und runder. Die Süße des Zuckerrohrs tritt deutlicher hervor.
Kubas eigener Rumstil –
Die Geschichte der Brennerei
Damit wäre auch das Feld bereitet, um sich dem Rum von Havana Club zu nähern. Jedoch sucht man den Namen in den kubanischen Annalen zunächst vergeblich. Die Ursprünge der Brennerei reichen ins Jahr 1878 zurück. Im Küstenstädtchen Cardenas, dem Südzipfel Floridas direkt gegenüber gelegen, gründet der Baske José Arechabala die Rumbrennerei La Vizcaya. Sie ist die eigentliche Geburtsstätte der Marke. Dort erblickt 1935 Havana Club das Licht der Welt. Im gleichen Jahr sichert man sich die Markenrechte für den Export in die USA. Und zur selben Zeit eröffnet in Havanna an der Plaza de la Cathedral eine Bar mit diesem Namen. Angesichts des Publikums aus aller Welt trägt die Bar maßgeblich zur Bekanntheit des Rums bei.
Dennoch folgen Jahre, in denen der Westen und vor allem die europäischen Länder kaum etwas von Havana Club erfahren, geschweige denn, dass sie ihn vor die Nase und auf den Gaumen kriegen. Man ahnt die Pointe. Ursache dafür ist der Sieg von Castros Revolutionstruppen und die Verstaatlichung der Brennerei im Jahre 1960. So behält zwar die Familie Arechabala die internationalen Markenrechte bis 1973. Doch schon 1970 wird in Santa Cruz del Norte eine riesige Brennerei gebaut, in der fortan der Havana Club erzeugt wird. Nach Ablauf der Frist meldet das Regime die Marke selbst wieder an und vertreibt sie vorrangig in den Ländern des Warschauer Pakts. Erst 1993 besinnen sich Fidel Castro sowie die Verantwortlichen von Cubaexport und gehen fortan ein Joint Venture mit Pernod Ricard ein. Damit kann der Rum Havana Club nun auch im Westen seinen Siegeszug antreten. Zweistellige Zuwachsraten Jahr für Jahr sollen dafür zur Regel werden.
Die Arbeit der Maestro
Roneros – Strenge Auslese und Kontrolle
Doch was zeichnet Havana Club im Besonderen aus? Und wie kommt so jemand wie die Musikerlegende Compay Segundo von Bueno Vista Social Club dazu, den siebenjährigen Havana Club zum „besten Rum der Welt“ zu erklären – ein Urteil, mit dem er wahrlich nicht allein dasteht? Die Antwort findet sich im komplexen und über drei Blendschritte reichenden Herstellungsprozess. Und nicht zuletzt in der strengen Aufsicht von Don José Navarro, dem Premier Maestro Ronero von Havana Club. Er steht an der Spitze einer ganzen Truppe von Maestro Roneros bei Havana Club, die erst nach mindestens zehn Jahren Lehrzeit in diesen Stand erhoben werden und die mit ihrem Know-how für eine stetig hohe Qualität Sorge tragen – angesichts manchen Mangels im Land nicht immer eine leichte Aufgabe.
Bereits bei der Zuckerrohrernte (la zafra) beginnt ihre Auslese. Geradezu eine Schar von Maestro Roneros, alle Don Navarro unterstellt, schwärmt über die Felder aus, um aus den verschiedenen Regionen und Zuckerrohrsorten jene Ernten auszuwählen, die am besten den Charakter von Havana Club ausprägen. Nach der Zuckergewinnung beginnt die Verarbeitung der Melasse. Sie wird sorgfältig gereinigt, mit destilliertem Quellwasser verdünnt und mit speziell im Havana Club Labor gezüchteten Hefen versetzt, so dass die Alkoholgärung einsetzen kann. Sie dauert 30 Stunden und wird von den Roneros einer ständigen Kontrolle unterworfen. Ihr folgt die Destillation des Zuckerrohrweins in großen Kupferzylindern, woraus die hochprozentigen Feinbrände, die „aguadientes“, entstehen. Erst dann beginnt jener dreistufige Blendprozess, der seinesgleichen sucht und der Havana Club so einzigartig macht.
Der dreistufige Blendprozess
Der „Aguadiente“ kommt zunächst für 18 Monate in 180 Liter große Weißeichefässer, in denen zuvor Bourbon reifte. Trotz US-Embargo hält sich hartnäckig das Gerücht, es handele sich dabei um Fässer von Jack Daniel’s. Doch das ist zum ersten ein Whiskey aus Tennessee und folglich kein Bourbon. Und zweitens erhält man dafür offiziell von niemanden eine Bestätigung. Indes nehmen Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Wind, das Salz in der Luft sowie der Boden Einfluss auf den schlummernden Rum. Nach dieser ersten Lagerzeit in den geradezu kathedralengroßen Lagerhallen wird jedes Fass von den Maestro Roneros verkostet, um den finalen Blend zu erzeugen, den man madre (Mutter) nennt. Dieser Blend wird mit frischem Quellwasser verdünnt und mit einem extrafeinen Havana Club Destillat abgerundet. So entsteht der Ron fresco. Er ruht und reift danach in einem gezielten Mix aus alten und jüngeren, stets gebrauchten Fässern. So erhält der Rum seine endgültige Reife. Entsprechend der gewünschten Qualitäten wird er schließlich ein drittes Mal geblendet. Dieser „Toque“ genannte Rum erhält anschließend noch einmal eine letzte kurze Ruhezeit, bevor er dann doch endlich in die Flaschen kommt.
Die Kunst des Blendings –
Ein Abbild der Bevölkerung
Diesen Prozess durchlaufen alle sieben derzeit im Deutschland erhältlichen Havana Club Abfüllungen – vom Blanco bis hin zu den Añejos, dem Cuban Barrel Proof und dem Maximo Extra Añejo. Auch der Havana Club Añejo 7 Años erfährt so seine Vollendung. Und für ihn gilt, was der bekannte Rumexperte und Buchautor Dave Broom vor längerem schon so formulierte: „Das Geheimnis der Erzeugung eines großartigen, gereiften Rums – und ebenso eines großartigen Cocktails – liegt im Blending. Und das spiegelt sich hier in der Bevölkerung wider. Flanieren Sie einmal durch irgendeine kubanische Stadt und schauen Sie sich die Menschen an. Schwarze, Mulatten, Latinos, Inder, Chinesen ... Kuba ist ein Völkerverschnitt.“ Dafür muss man übrigens nicht eigens quer durch die Insel reisen. Es reicht schon ein Abendspaziergang an der legendären Promenade Malecón in Havanna, um das Gesagte plastisch vor Augen geführt zu bekommen. Dort lässt sich auch das typisches Trinkritual erleben: lagrima – die Träne und damit der erste Tropfen einer neu geöffneten Flasche Havana Club, der auf den Boden vergossen wird…
Liebhaber des Tropfens mögen das bedauern. Sie freuen sich auf einen satten Rum mit vollem Aroma. Schon die dunkle Mahagoni-Tönung mit seinem grünen Schimmer wirkt verführerisch. Dave Broom beschreibt den Siebenjährigen als sehr komplex mit würzigen Kaffeenoten, Zimt und Muskatnuss in der Nase. Dazu fügen sich reife und karamellisierte Früchte, wie man selbst schnell bemerkt. Darüber hinaus schwingen getrocknetes Holz, Tabak, Mandel, Maronen und eine dunkle Würze mit. Keine Frage: Er ist vor allem pur ein Genuss und sollte dafür eine Weile Luft im Glas atmen. Der Havana Club 7 Años passt sich so nahtlos ein in die gegenwärtige Renaissance einer puren Rumgesinnung. Immer mehr Barkeeper finden an ihm Gefallen und nutzen ihn für exquisite Cocktails. Ja, es gibt sogar nicht wenige, die der Meinung sind, dass er einem Cuba Libre erst die pikante Note gibt. Womit wir unversehens wieder bei Fidel Castro angelangt wären. Trinken wir ergo auf ihn und seiner einst weisen Einsicht, dem Havana Club Rum auch im Westen die Türen zu öffnen!
Fotos: Pernod Ricard/Havana Club
www.havana-club.de