Klassiker

Wer hat die Kokosnuss?
aus Ausgabe Drinks 2009 - 3

In einem alten Schlager haben sich die Affen wegen einer geklauten Kokosnuss noch „kaltgemacht“. Wir sind fein raus, denn wir können das köstliche Aroma der behaarten Riesennuss in vielen Mixgetränken und auch pur jederzeit genießen, vor allem als Likör. Eine Ausnahme unter den Kokoslikören ist Mangaroca Batida de Côco. Warum diese Marke ein Klassiker ist, erklärt uns Karl Rudolf.

Die Batidas sind so brasilianisch wie die „Caipirinha“. Sie haben immer Cachaça als alkoholisches Fundament, die Spirituose aus Zuckerrohr, die alkoholisches Flaggschiff des nach Fläche wie nach Einwohnern fünftgrößten Landes der Erde ist. Batidas sind eine eigene Mixgetränke-Gruppe mit einer ganzen Reihe von Varianten. Frische Früchte, Fruchtsäfte sind unerlässliche Zutaten, Sahne oder Milch kann drin sein, crushed ice ist typisch für diese Art von Drinks. In ihrem Heimatland seien „Batida de Maracujá“ und „Batida de Côco“ die populärsten ihrer Art, schreibt Simon Difford in seinem Buch „Cocktails # 7“.
Sein dort aufgeführtes Rezept für „Batida de Côco“ sieht 2 1/2 shots Leblanc Cachaça, 1 1/2 shots Coco López Cream of Coconut und 1 shot Coconut milk vor.


An einen gemixten Drink denkt in unseren Breiten kaum jemand, wenn er „Batida de Côco“ hört. Da steht vor dem geistigen Auge die Flasche mit dem schwarzweißen Etikett und dem Schriftzug Mangaroca Batida de Côco und 14 Zeilen Text darunter. Denen ist unter anderem zu entnehmen, dass Mangaroca do Brasil das Rezept hat. Und in der letzten Zeile steht, in Deutsch, dass der Likör Batida de Côco in Italien hergestellt wird. Das wird er schon seit 1976, wie der Interessierte auf Nachfrage erfahren kann. Und seit 1980 wird dieser Klassiker in Deutschland und in Österreich von der Henkell & Co. Sektkellerei KG vertrieben, die wir bis zum Beginn dieses Jahres als Henkell & Söhnlein kannten.

Ein Produkt, das schon drei Jahrzehnte im Markt fest verwurzelt ist, darf zweifellos als Klassiker präsentiert werden, zumal dann, wenn es bereits in zahlreichen Mix- und Mischgetränken Basis oder wenigstens abrundendes Element ist. Mit Batida de Côco mixte Franz Brandl schon vor vielen Jahren die „Batida Sunrise“ (4 cl Batida de Côco, 12 cl Ananassaft und 2 cl Cherry Brandy), den „Cococabana“ mit weißem Rum, Lime Juice Cordial sowie Ananassaft und den „Cocobanana“ aus Bananensirup, Maracuja­nektar, Orangensaft, Batida de Côco und braunem Rum. Charles Schumann kreierte 1986 aus 2 cl Batida de Côco, 2 cl Cachaça und 8 cl Kokosnussmilch seine „Batida do Brazil“. Peter Bormann hat in seinem „Falken Mixbuch“ von 1993 neben vielen anderen das Rezept für „Aurelia“ festgehalten: 2,5 cl Batida de Côco,
2 cl Cu­raçao Blue und 2 cl Grenadine mit Eis im Mixglas verrühren und in ein Cocktailglas abseihen. Den Rezepten dieser drei auch schreibenden Barkeeper folgte im Laufe der Zeit eine stattliche Reihe von Kreationen weiterer Mixer. Keine Frage – Batida de Côco hat längst einen festen Platz in der Szene.

In rund zwei Dutzend Ländern ist es nicht anders. Dieser Likör ist von Armenien bis Zypern zu bekommen, selbstverständlich auch in Brasilien. In Europa wird er nur an einem einzigen Ort erzeugt, im lombardischen Brèscia. Eigentümer von Batida de Côco ist die Firma Mangaroca. Diese gehörte bis 1980 zu dem Unternehmen Buton, das bekannt ist durch Marken wie Vecchia Romagna oder Rosso Antico und ab 1976 auch diesen neuen Likör produzierte. Seit 1980 ist die Mangaroca International SA ein eigenständiges italienisches Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Barbengo im Tessin. Sie wurde gegründet mit dem Ziel, auf internatio­naler Ebene Spitzenspirituosen zu produzieren und zu vermarkten. Zu Beginn der Eigenständigkeit hat sich Mangaroca außerdem auf den Export von Batida de Côco konzentriert.

Der entsprang keineswegs einer Idee, der ist das Ergebnis einer sorgfältigen Analyse der brasilianischen Trinkkultur. Mitarbeiter von Mangaroca waren schon früher in dem südamerikanischen Land gewesen und hatten den dortigen Spirituosenmarkt erkun­det. Da es in den 70er-Jahren in Europa kaum „Exotisches“ gab, wurde damals in Brasilien ein Expertenteam zusammengestellt und beauftragt, etwas „Exotisches“ für Herstellung und Handel in Europa ausfindig zu machen. Die Fachleute vor Ort entschieden sich für das populäre Getränk Batida de Côco.

Ihr Vorschlag wurde erfolgreich realisiert. Allein in Deutschland dürften von der Markteinführung bis heute mehr als 70 Millionen Flaschen von dem Batida de Côco verkauft worden sein. Direkte Konkurrenz hat dieser Kokoslikör nicht, auch wenn das Aroma der Kokosnuss heute in Form von Sirup, Spiced Rum und auch Likör allgegenwärtig ist. Unter den Kokoslikören ist Mangaroca Batida de Côco in Machart und Zusammensetzung ein Unikat:
Er ist ein Kokosnuss-Milch-Likör. Für die Milch als weitere Zutat hatten sich seine Hersteller nach mehrfachem Experimentieren entschlossen. Natürlich ist das Rezept weitestgehend geheim – schließlich wird jedes erfolgreiche Produkt gnadenlos kopiert, und je weniger so ein Trittbrettfahrer mitbekommt, desto weiter bleibt sein Imitat vom Original entfernt. Nur so viel wird verraten: Einem Extrakt von Kokosnussfleisch werden Alkohol und Milch in einer genau festgelegten Dosierung zugefügt.

Müssen wir überhaupt mehr erfahren? Ist es nötig, dass wir jede eventuelle weitere Zutat kennen, die abrundendes Aroma in den Likör einbringt? Muss uns interessieren, woher die milde Süße dieses Klassikers stammt? Ist sein alkoholisches Fundament en detail für uns von Belang? Eigentlich nicht. Es genügt, zu wissen, dass Mangaroca Batida de Côco pur wie gemixt schmeckt, dass dieser Likör kompatibel ist mit vielen anderen Zutaten. Quod erat demonstrandum mit einer ganzen Liste von Rezepten, die Jahr für Jahr um einige interessante verlängert wird.

Nehmen wir also einen Batida de Côco on the rocks, ohne dafür zum Shaker greifen zu müssen. Und verkosten wir auch gleich den vor vier Jahren eingeführten Black Batida: eine interessante Variante, die durchaus das Zeug dazu hat, irgendwann mal auch ein Klassiker genannt zu werden. Das Original, Batida de Côco, ist schon einer. Und ein Unikat ist er außerdem.   
Fotos: Sektkellerei Henkell & Co.





















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