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| Edler Korn ist Ährensache aus Ausgabe Drinks 2007 - 3 Zum einen sind diese zwei Wörter ein Markenname. Zum anderen sind sie auch eine Herkunftsbezeichnung, eine Art Gütesiegel sogar: Echter Nordhäuser kommt aus der Stadt, die das erste Reinheitsgebot für Korn festschrieb. Nach dem richten sich die Brenner bis heute. Dieses Jahr ist Jubiläumsjahr in Nordhausen. Es gibt 500 Jahre Brenntradition zu feiern in der Stadt am Südhang des Harzes. In einem Dokument aus dem Jahr 1507 ist »eynne zinß uff bornewyne« erwähnt. Das darf als Beweis dafür genügen, dass, erstens, in der damaligen Reichsstadt bereits Hochprozentiges destilliert wurde, und, zweitens, die Obrigkeit es schon zu jener Zeit verstand, auf beliebte Güter Steuern (zinß) zu erheben. Wahrscheinlich waren die ersten bornewyne Nordhausens tatsächlich gebrannte Weine, denn in der Umgebung wurde damals reger Weinbau betrieben. Freilich musste der Wein kurz darauf seinen Platz in den Brennereien an Getreidemaischen abgeben – und die spielen bis heute die beherrschende Rolle in dieser Thüringer Kreisstadt, deren Name untrennbar mit Korn verbunden ist Zum Jubiläum wurde im April die Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei nach umfangreichen Umbauarbeiten als Erlebnismuseum eröffnet. In dem von 1907 bis 1908 im Jugendstil errichteten Gebäude können die Besucher in einer voll funktionstüchtigen Brennerei die Herstellung von Korn hautnah erleben und zudem eine Zeitreise durch die Geschichte des Kornbrennens machen. Bauherr des heutigen Museums war Joseph Seidel junior. Dessen Vater hatte 1857 eine Kornbranntweinbrennerei gegründet. Auch – oder: gerade die 150 Jahre dieser Brennerei sollten gebührend gefeiert werden, weil sie eine Keimzelle jenes Korns ist, der für uns heute als Echter Nordhäuser ein fester Begriff ist. Vor exakt hundert Jahren zählte die ›Vereinigung der Nordhäuser Kornbranntwein-Fabrikanten‹ nach einer Liste in der Festschrift zum Jubiläum »400 Jahre Kornbrennerei in Nordhausen« 67 Mitglieder. Die Branche hatte damals schon bewegte Zeiten hinter sich: Immer wieder war in der Vergangenheit die Herstellung von Kornbranntwein wegen Mangels an Getreide verboten worden. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges lag in Nordhausen auch das Brennereigewerbe am Boden. Schließlich mussten sich die Nordhäuser Brenner gegen den Missbrauch ihres guten Namens zur Wehr setzen. Diesen guten Namen hatten sie nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass ihnen die Obrigkeit schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts sehr genau in die Brennkessel blickte. Das tat sie zwar zum Zwecke der Besteuerung, doch letztlich förderte sie damit die Qualität des Nordhäuser Korns: Um dem »Branntweinvisierer«, der die Steuer festsetzte, seine Arbeit zu erleichtern, führte Nordhausen 1725 genormte Fässer ein: 1 Fass waren 58 »Stübchen«, was exakt 256,6 Liter ergab. Durch die Einschränkung der Brennrechte zwischen 1726 und 1729 wurde das Gewerbe professioneller, weil unrentable Kleinbetriebe aufgeben mussten und illegales Brennen, da unter Strafe gestellt, weitgehend ausgeschlossen wurde. Ab 1749 waren die Kontrollen schärfer. Brennereien wurden jeden zweiten Tag aufgesucht, geprüfte Fässer am Spundloch mit einem Ratssiegel versehen. Solche Maßnahmen hoben das Vertrauen in die Produkte und hatten verkaufsfördernde Wirkung. Um die Qualität des Kornbrands aus Nordhausen zu sichern, erließ der Rat der Stadt 1789 eine Verordnung »das Branntwein-Brennen betreffend«, eine Art Reinheitsgebot, das unter anderem zwei Drittel Roggen und höchstens ein Drittel Gerste oder Malz als Rohstoffe verbindlich festlegte. Der echte Nordhäuser Korn (es gab immer wieder Fälschungen) wurde endgültig zu einem weitum hoch geschätzten Qualitätsprodukt, dem auch eine kurzzeitige Absatzkrise – verursacht durch den billiger herzustellenden Kartoffelsprit – auf Dauer nichts anhaben konnte. Nur zwei Kriege und die politischen Verhältnisse hinderten die Kornbrenner in Nordhausen zeitenweise daran, ihre Produkte überhaupt oder so herzustellen, wie sie es gewohnt waren. Nach dem zweiten Weltkrieg waren in der Stadt nur noch neun Brennereien intakt, darunter die von Joseph Seidel, die sich in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts um die Wiederaufnahme des traditionellen Verfahrens besonders verdient gemacht hatte. Erst 1953 konnte in Nordhausen wieder an die Tradition des Kornbrennens angeknüpft werden. Die noch verbliebenen Brennereien waren im VEB Nordbrand Nordhausen vereinigt, und der exportierte seine Produkte – vor allem den Echter Nordhäuser Doppelkorn – nicht nur in Länder Osteuropas, sondern auch in westliche: Echter Nordhäuser war schließlich auch »im Westen nichts Neues«. Als es dann kam, wie’s wohl kommen musste (»Marx war Murks«) und die Handelsstruktur in der DDR zusammengebrochen war, arbeitete die Nordbrand Nordhausen GmbH mit der Eckes AG zusammen, wurde 1991 schließlich – zusammen mit der Echter NordhäuserTraditionsbrennerei – deren 100prozentige Tochter. Und als solche gehört sie seit Anfang des Jubiläumsjahrs 2007 ebenfalls zu Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien. Auch unter diesem neuen Besitzer stellt das auf mehreren Säulen der Korntradition errichtete Unternehmen seine Produkte unter der Dachmarke Echter Nordhäuser her, darunter auch Soft- und Obstspirituosen sowie Wodka. Doch tragende Nordhäuser-Säule war, ist und bleibt der Korn: Roggen aus der Goldenen Aue, Nordhausens »Kornkammer« zwischen Kyffhäuser und Südharz. In einer Flasche Echter Nordhäuser Doppelkorn stecken 28.500 Körner dieses Roggens. Die werden gemahlen, mit Malz eingemaischt und mit Hefe vergoren. Nach mehrfachem Destillieren wird das Feindestillat in Eichenholzfässern gelagert, ein Teil bis zu zehn Jahre lang. Dieser Werdegang eines Korns oder Doppelkorns aus der berühmten Kornstadt Nordhausen unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von dem anderer. Es sind die Erfahrungen, die in einem halben Jahrtausend Brennen zusammenkamen, die einen Echter Nordhäuser zu einer prominenten Spirituose machen. Und was lehrt uns die Geschichte dieser Marke: Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn die Obrigkeit Regeln aufstellt, die Sinn machen. Es ist noch besser, wenn sich die Brenner an die Regeln halten. Den Beweis hat Nordhausen mit seinem Korn geliefert. www.nordhaeuser.de Karl Rudolfþ |
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