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| Canadian Club – Aufstieg zum Star im Schatten der Prohibition aus Ausgabe Drinks 2008 - 1 Canadian Club – ein Name wie ein Leuchtturm. Er ist der berühmteste Whisky seines Landes. Als dessen Botschafter ziert er viele Regale in den fernsten Winkeln dieser Erde. Doch seine Geschichte lässt sich nicht ohne die Prohibition erzählen. Nicht ohne Al Capone, den Schmugglerbanden und „Bootleggers“. Seinem Ruf konnte es nie etwas anhaben. Leichter als Scotch und weicher als Bourbon stieg er zu einem der Klassiker unter den Whiskymarken auf – eben unverkennbar CC. Drehen wir das Rad der Geschichte noch einmal zurück. Denken wir uns Fallensteller und Siedler. Malen wir uns endlose Weiten aus. Lassen wir die großen Seen von Ontario vor unserem geistigen Auge aufsteigen. Geografischer Fixpunkt: nördliche Grenze zwischen USA und Kanada. Ein Fluss trennt die Länder. Der Detroit River. Er gibt einer Stadt den Namen, die noch schlummert. Sie ist noch nicht die Automobilmetropole von heute. Der Ort floriert aber dank Lage und direktem Zugang zum Atlantik, wie geschaffen für Leute wie Hiram Walker. Dieser schlaksige Typ, ein Dandy aus Boston, kommt durch den Handel mit Tabak zu Geld. Sein siebter Geschäftsinn lässt ihn auf Whisk(e)y setzen. Er beginnt seine erste Produktion. Aber das Projekt wankt. Schuld sind religiöse Fanatiker und Frauenbünde, denen das Teufelszeug ein Dorn im Auge ist. Sie beeinflussen die Gesetzgebung. Walker, der Amerikaner, beschließt, die Seiten zu wechseln. Er baut auf kanadischem Terrain, gegenüber am Fluss, eine neue Brennerei. Wir schreiben das Jahr 1858. Es ist die Geburtstunde der Destillerie von Walkerville und der erste, zarte Beginn von Canadian Club. Heute, fast 150 Jahre später, zeugen noch die alten Gebäude von den Anfängen. Den Ort gäbe es nicht, hätte Walker das Fleckchen Erde nicht einst entdeckt. Er besaß eine großzügige Ader, errichtete Mietshäuser und Wohnungen, förderte den Bau einer Schule, einer Kirche und eines Krankenhauses. Ja, es gab Zeiten, da waren alle Einwohner des Orts bei ihm angestellt. Und als wäre die Zeit ewig so stehen geblieben, wird hier bis auf den heutigen Tag der Whisky noch genauso hergestellt wie es Walker dereinst Schritt für Schritt entwickelte. Das ist das immer Gleiche mit Legenden. Irgendetwas aus ihrer Geschichte macht sie von Beginn an besonders, und man fragt sich, wieso. In diesem Fall ist es das Verfahren. Der Whisky von Hiram Walker entsteht zwar wie alle des Landes aus mehreren Getreidesorten, aus Mais, Roggen, Hafer und Gerste. Nur sie durchlaufen getrennte Wege. Den Mais destilliert man in der kontinuierlichen Brennsäule. Dank des zweifachen Brennvorgangs gelangt er zur fast neutralen Form mit 190 Proof. Das doppelte Destillieren sorgt zudem dafür, dass dem Spirit alle unerwünschten Begleitstoffe entzogen werden. Roggen, Hafer und Gerste dagegen, teils gemälzt, gelangen als Ferment in die Pot Stills. Auch sie werden einem zweimaligen Brennprozess unterzogen. Mit 136 Proof und Gerste und Roggen als Grundlage liefert dieser „New Whisky“ die prägenden Aromen für den „Canadian Club“. Doch nicht diese Eigenheit allein bestimmt den besonderen, weil milden Charakter des Whiskys. Zweite Besonderheit ist das Pre-Barrel Blending. Denn es ist ureigene Hausphilosophie, dass die verschiedenen Ausgangsdestillate direkt in den Fässern vermählt werden. Man schwört dabei auf einmal befüllte Bourbonfässer, die erneut „ausgekohlt“ werden – wieder ein Erbe des Gründervaters Walker, der seinem Tropfen so die süßlichen Noten vom Holz und die Spuren von Vanille gab. Sechs Jahre Reife im beheizten Warehouse vollenden schließlich den Klassiker aus Walkerville. Derart entstand jener neue Stil von Whisky, der sich in Windeseile viele Freunde machte. Er geht so ganz ohne Kanten über die Zunge: leicht und geschmeidig. Ein gefälliger Trinkkumpan, ein heiterer Begleiter. Diese Charakteristik zeichnet ihn bis heute aus. Zu Beginn hieß er noch „Walkers Club Whisky“. Sein Erfolg indes ärgerte die Konkurrenz aus Kentucky. Sie bestand auf eine Herkunftsbezeichnung. Und wieder sollte sich eine Geburtstunde für den späteren Klassiker ergeben. 1884 taufte Walker den Tropfen auf „Canadian Club“ um - ein Name, an den sich viele anlehnten. Typisches Me-too Gehabe, um vom Image eines Vorreiters zu profitieren. Doch die Historie bewies es längst: Die Versuche blieben vergebens. In Amerika wird CC - so der Kosename - mehr getrunken als manch heimischer Whiskey. Und wer nun meint, die Geschichte dieses Klassikers sei somit zu Ende erzählt, dem entgeht die Hochzeit der Prohibition. Von 1920 bis 1933 floss legal kein Tropfen Alkohol mehr in den USA. Amerika war trocken gelegt und Kanada flüssig wie nie. So sollte für die Brennerei in Walkerville, die ja nur eine Meile über den Fluss von den darbenden Trinkern entfernt lag, ein ungeahnter zweiter Frühling anbrechen. Viele zugedrückte Augen der Gesetzeshüter deckten den Schmuggelverkehr über den Detroit River. Versteckt in Stiefeln – die Rede von den Bootleggers nahm so seinen Anfang - oder in Gallonen um die Beine geschnallt, machten Kleinkriminelle bis in die obersten Schichten hinein ihre Geschäfte. Im großen Stil orderte derweil Al Capone in Walkerville. Codierte Telegramme, unschuldig formuliert, dienten zur Bestellung. Zwei Fenster im Kirchturm von Walkerville, die weithin sichtbar waren, nutzte man als Signal dafür, ob die Luft rein war. Derart ging an dieser engen Nahtstelle zwischen Kanada und Amerika wohl der größte illegale Warenstrom über die Bühne, den die Geschichte bis dato gesehen hatte, obwohl Schnellboote die „flüssige Grenze“ beständig patrouillierten. Auch von dieser Zeit berichtet das historische Besucherzentrum in Walkerville. Es ist in der Villa untergebracht, die Hiram Walker selber noch bauen ließ: eine prunkvolle Kopie des Pandolfini Palasts in Florenz. Hier findet sich auch eine Nachbildung des „Speakeasy“, dem wohl legendärsten Club zu Zeiten der Prohibition. Hier lassen sich die Bestellungen von Al Capone mit getürkten Telegrammen nachvollziehen. Und ein Loch in der Wand führt direkt zu dem Tunnel, der einst den Fluss unterquerte und als Nachschubweg diente. Doch diese Welt ist ein für alle Mal versunken. „Canadian Club“ dagegen behauptet nach wie vor seinen Platz an den Bars. Man exportiert ihn in über 150 Länder. Wobei, man mag es beklagen und den Verantwortlichen einen kräftigen Wink mit dem Zaunpfahl geben, nicht alle aus dem Portfolio des Hauses nach Deutschland gelangen. Denn es gibt neben dem 6 und 12-jährigen „Canadian Club“ auch einen „Canadian Club Reserve“, der mit 10 Jahre ins Fass kommt. Eine besondere Edition stammt aus Sherryfässern. Und gelegentlich werden noch ältere Tropfen auf die Flasche gezogen, verbleiben aber in aller Regel im Lande der Holzfäller. Jim Murray, eine Koryphäe unter den Whiskyschreibern und Kritikern schätzt vor allem die jüngste Version der Destillerie, den „Walkerville Old Special“, der - nomen ist nicht immer omen - nur vier Jahre Fassreife erhält. Nur solange der Import auf die bekannten Abfüllungen beschränkt bleibt, so lange wird der „Canadian Club“ das sein, was er Deutschland immer schon war: Der nette Whisky von nebenan. Ein heiterer Geselle am abendlichen Tresen und der vielseitig einsetzbare Whisky als Basis für diverse Mixed Drinks. |
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